
Grundlegend für die Tagung ist die Annahme, dass der kommunizierte Vergleich ein konstitutives Moment sozialer Ordnungsbildung darstellt. Dies scheint schon in der Struktur des Vergleichs, wie wir ihn verstehen, angelegt. Denn der Vergleich setzt voraus, dass einerseits die verglichenen Einheiten in mindestens einer Hinsicht als gleich betrachtet werden, und andererseits, dass es ein Vergleichskriterium gibt, das Unterschiede beobachtbar macht. In der Moderne, so eine weitere Annahme, scheint der Vergleichskommunikation eine hohe Eigendynamik inne zu wohnen: Einem Ranking – ob auf wissenschaftliche Leistung von Universitäten oder Kreditwürdigkeit von Unternehmen bezogen – kann man sich kaum entziehen. Hier ist nicht zuletzt die mediale Präsentation mit entscheidend: Wenn der Vergleich, wie in der Moderne üblich, in Form von Zahlen und Tabellen über Massenmedien kommuniziert wird, tritt er als rational, sachbezogen und objektiv auf und streift zudem regionale und spezifische kulturelle Eigenheiten ab, die der sprachlich vermittelte Vergleich noch mitführt. Dem so kommunizierten Vergleich wohnt damit, so eine weitere These, in der globalisierten Welt der Moderne eine Integrationskraft inne, die diesseits von internationalen Organisationen dazu anleitet, dass Universitäten, Unternehmen, Staaten, Sportvereine usw. in spezifischer Weise miteinander in Beziehung treten und sich aneinander ausrichten, ohne direkt miteinander in Kontakt zu treten.
Das Thema verlangt nach einer historischen Langzeitperspektive. Denn selbstredend ist der Vergleich auch in der Standesgesellschaft der Vormoderne von besonderer Bedeutung. Es scheint jedoch, dass die Wirkung, die dieses soziale Phänomen damals entfaltete, anders gelagert war als in der Moderne. Das betrifft zum einen den Rückgriff auf Medien: In der Präsenzgesellschaft scheinen Kleidung und Position im Raum wichtiger zu sein als Schrift und Quantifizierung. Zudem scheint dem Vergleich jene ausgreifende Eigendynamik zu fehlen, die ihm für die Weltgesellschaft der Moderne eigen ist. Vergleichskommunikation über einen langen Zeitraum zu untersuchen entfaltet, so hoffen wir, ein hohes heuristisches Potenzial, das neue Einsichten sowohl in die Grundstrukturen der vormodernen wie modernen Gesellschaft verspricht.
Fragestellungen:Die Konferenzsprache ist Englisch.