Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

ZiF-Arbeitsgemeinschaft

Preisträgerkolloquium mit Pierre Rosanvallon
Pierre Rosanvallon's Interdisciplinary Political Theory

Termin: 15. November 2016

Leitung: Oliver Flügel-Martinsen (Bielefeld, GER)

Anlässlich der Verleihung des Wissenschaftspreises an Pierre Rosanvallon, Professor für Geschichte am Collège de France (Paris), fand dieses Kolloquium zu Ehren des Preisträgers statt. Rosanvallon versteht seine Forschungen, wie er es nicht nur in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringt, sondern auch während des Kolloquiums mehrfach unterstrich, als Beiträge zu drängenden politischen Themengebieten und verortet sie dabei jenseits üblicher disziplinärer Grenzlinien. Das eintägige Kolloquium stand daher unter der Überschrift Pierre Rosanvallons interdisziplinäre politische Theorie und vereinte Teilnehmer_innen aus Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Philosophie, Rechtswissenschaft und Soziologie.

In vier Vorträgen wurden im regen Austausch zwischen dem Preisträger und den Teilnehmer_innen verschiedene zentrale Dimensionen von Rosanvallons Werk ausgeleuchtet. Der Vortrag von Paula Diehl widmete sich zunächst der theoretisch-konzeptuellen Grundausrichtung von Rosanvallons Denken, woraufhin Wim Weymans die Werkentwicklung kritisch rekonstruierte. Das Nachmittagsprogramm wendete sich dann konkreten Gegenstandsbereichen von Rosanvallons politischer Theorie zu. Nach einem Vortrag von Daniel Schulz, der die Krise des Republikanismus im Denken Rosanvallons untersuchte, wurde das Kolloquium mit einem Vortrag von Felix Heidenreich zur Rolle politischer Parteien bei Rosanvallon beschlossen. Die Vorträge wie auch die Diskussion spannten dabei durchgängig den Bogen von historischen und philosophischen Hintergrundüberlegungen hin zu einer Zeitanalyse im Lichte der zeitgenössischen Herausforderungen durch das Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen in zahlreichen demokratischen Staaten. Pierre Rosanvallons Arbeiten erwiesen sich mit Blick auf die Problemstellungen als reichhaltige Inspirationsquellen, untersucht er doch gerade in seinen jüngeren, international weithin beachteten Büchern die Hintergründe und Auswirkungen von Ungleichheit und die Verlagerung von Entscheidungskompetenz hin zu Exekutiven auf das Projekt demokratischen Selbstregierens. Für Rosanvallons Denken, auch das hat sich im Gespräch mit dem Autor nachdrücklich gezeigt, ist dabei nicht nur die Überschreitung disziplinärer Grenzen konstitutiv, sondern auch das Hinausgehen über den wissenschaftlichen Erkenntnisfokus im engeren Sinne hin zu einem Dialog mit der weiteren zivilgesellschaftlichen Öffentlichkeit.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Martin Bauer (Hamburg, GER), Paula Diehl (Berlin, GER), Michael Dormal (Trier, GER), Angelika Epple (Bielefeld, GER), Ingrid Gilcher-Holtey (Bielefeld, GER), Dieter Grimm (Berlin, GER), Felix Heidenreich (Stuttgart, GER), Anna Hollendung (Bremen, GER), Dirk Jörke (Darmstadt, GER), Wolfgang Knöbl (Hamburg, GER), Franziska Martinsen (Hannover, GER), Lutz Raphael (Trier, GER), Emanuel Richter (Aachen, GER), Pierre Rosanvallon (Paris, FRA), Rainer Schmalz-Bruns (Hannover, GER), Daniel Schulz (München, GER), Willibald Steinmetz (Bielefeld, GER), Andreas Vasilache (Bielefeld, GER), Thomas Welskopp (Bielefeld, GER), Fabian Wendt (Bielefeld, GER), Wim Weymans (Leuven, BEL), Véronique Zanetti (Bielefeld, GER)



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