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Jahrgang 37, Heft 4, August 2008 / Volume 37, Number 4, August 2008

Soziale Dienste und Hilfe zwischen Generationen in Europa

Social Services and Help between Generations in Europe

Martina Brandt, Marc Szydlik

Universität Zürich, Soziologisches Institut, Andreasstraße 15, 8050 Zürich, Switzerland
E-Mail: brandt@soziologie.uzh.ch; szydlik@soziologie.uzh.ch

Zusammenfassung: Private Hilfen zwischen erwachsenen Generationen bei der Haushaltsführung (z.B. bei Haus- und Gartenarbeiten oder Formalitäten) variieren in Europa stark von Nord nach Süd. Während die Hilfehäufigkeit in nördlichen Ländern wie Schweden oder Dänemark mit ausgebauten sozialen Dienstleistungen bei über einem Drittel der Kind-Eltern-Dyaden liegt, helfen erwachsene Kinder in den Mittelmeerländern nur in ungefähr fünfzehn Prozent der Fälle ihren Eltern. Dagegen verteilt sich die Intensität dieser Hilfeleistungen in umgekehrter Richtung: In den südlichen Ländern unterstützen die relativ wenigen Helfer ihre Eltern zeitintensiver als im Norden. Die Ergebnisse logistischer und linearer Mehrebenenmodelle auf Basis der SHARE-Daten legen nahe, dass neben individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten sowie Familienfaktoren auch kulturell-kontextuelle Strukturen eine entscheidende Rolle für die Wahrscheinlichkeit und Intensität intergenerationaler Hilfe spielen. Die Spezialisierungsthese im Sinne der spezifischen Aufgabenteilung von sozialen Diensten und Familie kann auf die Hilfe für die Eltern in Europa übertragen werden: Je mehr die Familie durch soziale Dienstleistungen bei der Betreuung Bedürftiger entlastet wird, desto eher erbringen die Kinder kurzfristige Unterstützungen – während der öffentliche Sektor eher die besser planbaren, stetigen und zeitintensiven Aufgaben übernimmt.

Summary: The level of intergenerational household help differs substantially between European countries, following a north-south gradient. While in the northern countries (e.g. Sweden, Denmark) with their well-developed service systems help occurs in over one third of the child-parent dyads, this only applies to around fifteen percent of the cases in the Mediterranean countries (Spain, Italy, Greece). In regard to the intensity of the help given, however, in the southern states the relatively few adult children providing help spend more time supporting their parents than in Northern Europe. The results of logistic and linear multilevel-models show that needs, opportunities, and family structures as well as cultural-contextual structures play a decisive role in the likelihood and intensity of intergenerational help. Additionally, the “specialisation-thesis,” which predicts specific task-sharing between public services and families, may also be applied to the support of elderly parents in Europe. The more social services alleviate the burden of intensive and regular care supplied by family members, the more adult children provide short-term support for their elderly parents.

 

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aktualisiert am 12.08.2008       http://www.uni-bielefeld.de/soz/zfs/

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