Religion, Konflikt, Friede

(Bild aus „Der Standard“ (Österreich

Konflikte und Frieden haben relevante Dimensionen sowohl für die Religionssoziologie als auch für die Theologie. Auf der Makroebene hat in den letzten zwanzig Jahren durch die Beendigung des Ost-West-Konfliktes ein dramatischer Wandel der Problemlagen stattgefunden. Die Gefahr des atomaren Overkills („high risk, low probability“) wird zusehends durch sog. „low intensity conflicts“ abgelöst. Terrorismus und zahlreiche lecht entzündliche Konflikte („low risk, high probability“) sind ihre heutigen Ausprägungen. Von besonderer Bedeutung ist, dass zu den rein sozio-ökonomisch, ideologisch vermittelten Interessenskonflikten heute der Konflikttypus des religiös und / oder ethnisch vermittelten Identitätskonflikt hinzugetreten ist. Auf der Mikroebene – etwa in den Schulen – sind Probleme von Konflikten und Gewalt stärker in die Wahrnehmung von Schülern, Lehrern, Eltern und Öffentlichkeit gerückt, was den Bedarf zu theologischer Konfliktbearbeitung auch in unseren Schulen mehr als verdeutlicht.

Bisher setzten wir uns in den folgenden Projekten und Arbeitsschwerpunkten mit der Problematik auseinander.

  1. Ethos religiöser Friedenstifter:
    „Neue Kriege“ mit religiös vermittelter identitätspolitischer Dynamik gehören zu den wichtigsten aktuellen Krisenherden. Doch Religion hat nicht nur eskalierende Funktion. Das DFG-geförderte religionssoziologische Forschungsprojekt untersucht am Beispiel des Krieges in Bosnien-Herzegovina (1991 –1995) und der Folgezeit die Handlungsbedingungen sowie das Ethos von Personen und Gruppen muslimischen, jüdischen, orthodoxen, katholischen und evangelischen Glaubens, die im Konflikt und der Nachkriegszeit für Frieden und Versöhnung eingetreten sind. Die wichtigsten Theorieansätze sind Feld- und die Habitusanalyse.

    Forscher: Leif Seibert, Zrinka Štimac

  2. Theologie der Versöhnung:
    In welchem Verhältnis die Versöhnung des Menschen mit Gott zur Versöhnung der Menschen untereinander stehe, ist schon seit alters eine wichtige Frage der theologischen Versöhnungslehre. Das Promotionsprojekt stellt sich dieser Frage hermeneutisch. Es knüpft zum einen an die Ergebnisse des Forschungsprojekts über bosnische Friedenstifter an; zum anderen arbeitet es Erfahrungen aus der schulischen Konfliktmediation auf. Aus diesem Erfahrungsmaterial werden im Dialog mit der Theologiegeschichte der Versöhnungslehre die heute relevanten systematisch-theologischen Fragen herauskristallisiert und theologisch bearbeitet. Ziel ist die Formulierung von Grundlinien einer aktuell erfahrungsbezogenen christlichen Versöhnungslehre.
  3. Forscher: Axel Stockmeier

  4. Ökumenische christliche Kirchen in Konflikten:
    Von den Mitgliedskirchen im Ökumenischen Rat der Kirchen sind nicht wenige sehr direkt von politischen, ethnischen und militärischen Konflikten betroffen. Die ökumenische Bewegung als ein Zusammenschluss von Kirchen lässt sich nicht zuletzt als deren Reaktion auf die Konflikterfahrungen des Ersten und Zweiten Weltkrieges verstehen. Entsprechende kollektive Erfahrung ist heute in verschiedensten konfliktiven Kontexten gefordert und wird weiter transformiert. Das Projekt verbindet historische Forschung über konfliktbezogene Strategien der ökumenischen Bewegung mit Fallstudien zu deren Engagement in aktuellen Konflikten wie etwa Nordirland, Ruanda, Serbien/Bosnien und Südafrika. Ziel ist es, religiöse Friedensstrategien zu beschreiben und theologisch im Blick auf Versöhnungsprozesse als kollektive Prozesse psychischer Heilung zu reflektieren.
  5. Forscher: Priv. Doz. Dr. Gert Rüppell

Abgeschlossen: