Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Die deutsche Präsenz in den USA

Termin: 20. - 23. Oktober 2004
Leitung: Josef Raab, Jan Wirrer (beide Bielefeld)

Ziel dieses interdisziplinären Symposiums war es, die vielfältigen deutsch-amerikanischen Beziehungen und Verflechtungen in Vergangenheit und Gegenwart neu zu bewerten und sehr diverse Bereiche der deutschen Präsenz in den USA zu illustrieren sowie den Umgang mit dieser Präsenz kritisch zu hinterfragen. Dieses Ziel wurde in vollem Umfang erreicht.
Die etwa 40 Vorträge der Tagung veranschaulichten in vielfältiger Weise, wie tief verwurzelt einerseits deutsche Elemente in den USA sind; sie zeigten andererseits aber auch, dass das Bewusstsein für deutsche Wurzeln zunehmend schwindet. Die Präsenz deutscher Elemente verdeutlicht sich nicht nur an den - in ihrer Zahl im übrigen steigenden - deutsch geprägten und Pensylvania German sprechenden Amish People, sondern z. B. auch an zahlreichen aus deutschen Traditionen erwachsenen Vereinigungen insbesondere, aber nicht nur im Mittleren Westen der USA, an vielen Städtepartnerschaften - auch solchen aus der Region Ostwestfalen-Lippe; sie zeigt sich im Musikleben der USA, an den deutschen Impulsen geschuldeten Errungenschaften in den Naturwissenschaften und in der Technik, an der markanten Präsenz Deutschlands im amerikanischen Filmschaffen und den frequenten Bezugnahmen durch Literaten von Franklin und Cooper, über Twain und Steinbeck bis hin zu De Lillo und Pynchon auf Deutschland, deutsche Traditionen und die deutsche Sprache; und sie wird nicht zuletzt deutlich an den vielfältigen wirtschaftlichen Verflechtungen, die sich am augenscheinlichsten in US-amerikanischen Dependencen deutscher Unternehmen manifestieren. Demgegenüber sieht sich z. B. die US-amerikanische Universitätsgermanistik vielfältigen Kürzungen bis hin zu Schließungsplänen ausgesetzt, geht generell das Interesse an deutscher Sprache und Literatur nicht zuletzt an den Schulen zugunsten des Spanischen zurück, spielt Deutschland in der amerikanischen Politik und Zeitgeschichte, in amerikanischen Tageszeitungen und Nachrichtensendungen eine zunehmend geringere Rolle, steht das Projekt German TV kurz vor dem Aus, stoßen deutsche Rechtsideen in den USA nur auf eine geringe Resonanz und ist das Bewusstsein für die Deutschstämmigkeit des amerikanischen Hot Dog nur wenig ausgeprägt.
In Überblicken sowie exemplarischen Fallstudien zu mehr als drei Jahrhunderten der deutschen Präsenz in Nordamerika wurden bei dieser ZiF: Arbeitsgemeinschaft historische Entwicklungslinien aufgezeigt und in Bezug auf ihre Beeinflussung kultureller, literarischer, linguistischer, geistesgeschichtlicher, wirtschaftlicher, juristischer und politischer Bereiche sowie amerikanischer und deutscher Auto- und Heterostereotypen thematisiert. Zu diesem Zweck luden die Organisatoren Vertreter sehr diverser Fachrichtungen (von Rechtswissenschaft bis hin zu Musikwissenschaft und von Medienwissenschaft bis hin zur Linguistik) ein, um im interdisziplinären Dialog die Verbindung von Ansätzen und Methoden unterschiedlicher Herangehensweisen zu fördern. Vor dem Hintergrund der aktuellen Schwierigkeiten im politischen Verhältnis zwischen den USA und Deutschland konnte die Tagung eine (durch zahlreiche Medienberichte) öffentlichkeitsnahe Auseinandersetzung mit den deutsch-amerikanischen Beziehungen sowie eine Aufwertung der deutschen Präsenz in den USA erreichen.
Eine von Alexandra Jacob zusammengestellte und im Rahmen der Tagung eröffnete dreiwöchige Ausstellung über 'Die deutsche Präsenz in den USA in Vergangenheit und Gegenwart' veranschaulichte die Auswanderungs- und Akkulturationsgeschichte Deutscher in den USA und verdeutlichte die Pflege des kulturellen Erbes.
Für die Veröffentlichung eingerichtete revidierte Versionen der Vorträge werden in einem von den Tagungsleitern herausgebenen Sammelband in der Reihe Arbeiten zur Amerikanistik beim Verlag Die Blaue Eule publiziert werden.

Teilnehmende

Timothy G. Anderson (Athens, OH), Helga Beste (Heidelberg), Carmen Birkle (Mainz), Wolfgang Braungart (Bielefeld), Heike Bungert (Köln), Tomás Christ (Bielefeld), James R. Dow (Ames, IA), Peter Freese (Paderborn), Herwig Friedl (Düsseldorf), Hans-Jürgen Grabbe (Halle (Saale)), Erhard U. Heidt (Bielefeld), Wolfgang Helbich (Schnepfenthal), Gerhard Hurm (Trier), Alexandra Jacob (Bielefeld), Walter Kamphoefner (College Station, TX), Hartmut Keil (Leipzig), Christa Kersting (Berlin), Hans J. Kleinsteuber (Hamburg), Melissa Knox-Raab (Bielefeld), James P. Leary (Madison, WI), Oliver Lepsius (Bayreuth), Mark L. Louden (Madison, WI), Jürgen Macha (Münster), Thomas Meinecke (Berg bei Eurasberg), Anke Ortlepp (Bonn), Michael Ossar (Manhattan, KS), Ansgar Reiß (Neubiberg), Carol Renner (Regensburg), Stefan Rinke (Eichstätt), Joseph C. Salmons (Madison, WI), Udo Schäfer (Hamburg), Helmut Schmahl (Mainz), Thomas Schmidt-Beste (Heidelberg), Anna Schwan (Washington, DC), Madlen Simon (Manhattan, KS), Carsten Tams (New York, NY), Dilara Tepeli (Bonn), Roy Weatherstone (Berlin), Raya Widenoja (Frankfurt am Main), Cornelia Wilhelm (München), Waldemar Zacharasiewicz (Wien)



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