Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Das Duell vom Mittelalter bis zur Moderne

interdisziplinäre und internationale Perspektiven

Termin: 31. Mai - 2. Juni 2010

Leitung: Barbara Krug-Richter (Münster), Ulrike Ludwig (Dresden), Gerd Schwerhoff (Dresden)

Ziel der Tagung war es, eine Diskussionsplattform für eine international, interepochal und interdisziplinär vergleichende Forschung zum Phänomen ›Duell‹ zu schaffen: Zu diesem Zweck wurden Forschungsergebnisse aus verschiedenen Disziplinen, Epochen und Ländern gemeinsam vorgestellt und diskutiert, um die Spezifik des Rituals ›Duell‹ als eigenständige kulturelle Praktik im Kontext sich wandelnder Wertesysteme zu erfassen. Zugleich galt es, in einer europäischen Langzeitperspektive sowohl nach Transferprozessen als auch nach der Bedeutung unterschiedlicher (Elite)Kulturen für die Herausbildung spezifischer Duellpraktiken zu fragen.

Im Ergebnis ist die Uneinheitlichkeit des Phänomens Duell in europäischer Perspektive zu betonen. Zugleich wurde eine spezifisch ständische Rationalität deutlich, die sich innerhalb von korporativen Schutzräumen ausbilden konnte. Als zentraler Diskussionspunkt erwies sich die Frage des methodischen Zugangs, die eng verknüpft mit dem grundlegenden Verständnis des Duells ist. Hier wurden zwei Ansätze erkennbar: Einerseits wurde ein Verständnis des Duells als phänomenologisch beschreibbare Gewaltpraxis vertreten, andererseits die Auffassung, dass das Duell als Produkt sich wandelnder gesellschaftlicher Zuschreibungen zu verstehen sei. Diesbezüglich wurde in den Diskussionen herausgestellt, dass in einem phänomenologischen Zugriff duellartige Gewaltformen und damit auch Duelle als eine quasi anthropologische Grundform des Kampfes mit einem gewissen Grad an Ritualisierung zu verstehen sei. In dieser Perspektive ist zwischen ›ordentlichen‹ und jeweils zeitgebundenen ›populären‹ Spielarten des Duells zu unterscheiden. Richtungspunkt eines solchen Duellverständnisses wäre die Einbettung des Duells in grundsätzliche Strukturen der Ehr- und Gewaltkultur.

Betrachtet man das Duell hingegen als Ergebnis von raumzeitlich veränderlichen Zuschreibungsprozessen, ist damit zum einen die Wandelbarkeit des Phänomens und seiner Handlungsweisen berücksichtigt. Zum anderen wären Duelle in dieser Perspektive aber weniger Spielarten eines Archetypus, sondern Produkte kollektiver Zuschreibungen und Imaginationen, die sich immer auch, aber eben nicht nur in konkreten Handlungsweisen niederschlügen. Damit verknüpft ist eine zeitliche, räumliche und raumzeitlich variierende soziale Eingrenzung des Phänomens Duell und seiner Funktionen. Grundsätzlich ist das Duell in dieser Perspektive aber ein spezifisches und von anderen Formen des Zweikampfs angesichts der damit untrennbar verbundenen Diskurse klar zu unterscheidendes europäisches (und eingeschränkt auch nordamerikanisches) Phänomen in der Periode zwischen dem 15. und 20. Jahrhundert.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Franz-Josef Arlinghaus (Bielefeld), Ronald G. Asch (Freiburg i.Br.), Matthias J. Bauer (Chemnitz), Kirsten Bernhardt (Münster), Marc Bors (Fribourg), Richard Cronin (Glasgow), Dagmar Ellerbrock (Bielefeld), Birgit Emich (Erlangen), Marian Füssel (Göttingen), Gundula Gahlen (Potsdam), Stephan Geifes (Paris), Karl Härter (Frankfurt am Main), Uwe Israel (Venedig), Alexander Kästner (Dresden), Sylvia Kesper-Biermann (Paderborn), Maren Lorenz (Hamburg), Silke Marburg (Dresden), Josef Matzerath (Dresden), Andreas Meier (Dresden), Michael Meuser (Dortmund), Monika Mommertz (Freiburg i.Br.), Jens-Peter Müller (Bonn), Jürgen Müller (Dresden), Sarah Neumann (Oldenburg), Jutta Nowosadtko (Hamburg), Markku Peltonen (Helsinki), Karl Roth (Hamburg), Pieter Spierenburg (Rotterdam), Ahmet Toprak (Dortmund), Peter Wettmann-Jungblut (Saarbrücken), Sixt Wetzler (Tübingen), Reinhard Zöllner (Bonn)



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