Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Lethe. Kunst und Kritik des Vergessens

Autorencolloquium mit Harald Weinrich

Termin: 2. - 4. Oktober 1997
Leitung: Elisabeth Gülich (Bielefeld) und Wolfgang Raible (Freiburg i.Br.)

Harald Weinrich gehört zu den bekanntesten und bedeutendsten deutschen Sprachwissenschaftlern. Sein Name ist vor allem mit der Entwicklung der Textlinguistik verbunden, für die er 1964 durch sein Buch Tempus - Besprochene und erzählte Welt entscheidende Impulse gab. Nach zahlreichen Einzeluntersuchungen zu verschiedenen grammatischen Phänomenen stellte er in zwei "Textgrammatiken" für die französische (1982) und für die deutsche Sprache (1989) systematisch und umfassend dar, was es bedeutet, eine Sprache konsequent von ihrem Gebrauch in Texten - und das heißt auch: in der Kommunikation - her zu beschreiben. Dabei hat seine Forschung immer auch eine interkulturelle und eine interdisziplinäre Dimension: er arbeitet an verschiedenen Sprachen, wobei die romanischen Sprachen einen zentralen Platz einnehmen, und bezieht literaturgeschichtliche, kulturhistorische und philosophische Fragestellungen und Entwicklungen mit ein. Diese Vielfalt wird besonders in seinem neuesten Buch Lethe. Kunst und Kritik des Vergessens eindrucksvoll deutlich. Dieses Buch, das seit seinem Erscheinen im Frühjahr 1997 große Beachtung erfuhr, bildet auch die Grundlage des Autorencolloquiums mit Harald Weinrich.
Angesichts der beeindruckenden Vielfalt des wissenschaftlichen Oeuvres dieses Gelehrten erscheint es sinnvoll, für die Auseinandersetzung mit seinen Arbeiten einen aktuellen Bezugspunkt zu wählen und ein Thema zu fokussieren, das ihn zur Zeit beschäftigt, auf das er aber sein Interesse auch schon früher gerichtet hat: Bereits eine Arbeit aus dem Jahr 1964 war den Typen der Gedächtnismetaphorik gewidmet. Das neue Buch wird zweifellos Gelegenheit geben, viele thematische und methodologische Aspekte des Weinrichschen Werkes aufzugreifen. Wie bei Weinrich nicht anders zu erwarten, bietet es ein breites Spektrum an Epochen und an Sprachen. Mit anderen Worten: man kann schon von der gesamten Anlage des Buches her erwarten, daß es ein für den Autor Harald Weinrich in jeder Beziehung charakteristisches Werk ist - und insofern ideale Voraussetzungen gerade für ein Autorencolloquium bietet.



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