Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Musik - Sprache der Gefühle?

Prolegomena zu einer Neuorientierung in der musikalischen Emotionsforschung

Termin: 29. März 2004, 19.00 Uhr
Festredner: Udo Will (Columbus, Ohio)

Im Zusammenhang mit der Eröffnungskonferenz der ZiF-Forschungsgruppe Emotionen als biokulturelle Prozesse wird Prof. Dr. Udo Will einen öffentlichen Festvortrag zum Verhältnis von Musik und Emotionen halten.
Prof. Dr. Will studierte Musik in Detmold und Bielefeld, wo er auch in Musik promovierte. Er hält zudem ein Diplom in Soziologie und einen zweiten Doktortitel in Neurobiologie. Er lebte zehn Jahre lang in Australien, wo er die Musik der australischen Ureinwohner erforschte, und führte umfangreiche ethnomusikologische Forschungen in China durch. Zur Zeit ist er Associate Professor für Musik an der Ohio State University in Columbus (USA).
Basis seines Vortrages ist die Feststellung, dass uns das Verhältnis von Musik und Emotionen seit der Antike beschäftigt. Für viele Menschen steht eine emotionale Erfahrung im Hintergrund ihrer Beschäftigung mit der Musik, und es wird weithin angenommen, dass Musik sowohl Emotionen hervorrufen als auch ausdrücken kann. Trotz der seit einigen Jahren intensivierten Forschung auf diesem Gebiet sind man jedoch noch weit von einem befriedigendem Verständnis der Beziehung zwischen Musik und Emotionen entfernt. Neben einem Mangel an empirischen Evidenzen scheinen hierfür auch beachtliche theoretische Unklarheiten verantwortlich zu sein. Prof. Will wird eine Neuorientierung der musikalischen Emotionsforschung skizzieren, die hilfreich bei einer Verbesserung der gegenwärtigen Situation sein könnte. Zentrale Aspekte sind dabei:
1) nicht die Musik, sondern den Emotionen erfahrenden und ausdrückenden Menschen ins Zentrum des Forschungsinteresses zu stellen;
2) Emotionen als integrale Komponenten lebender, aktiv agierender und interagierender Organismen zu konzipieren; und
3) diese Komponenten von einem evolutionären Bezugsrahmen aus zu interpretieren.

Der Abend wird abgerundet durch die Gruppe "Zolim" aus Togo/Westafrika, die mit traditioneller afrikanischer Trommelmusik und Tänzen ein Beispiel für eine mögliche Verbindung von Musik und emotionen geben wird, bei der es nicht unwahrscheinlich ist, dass der Funke auch auf das Publikum überspringt.



Drucken
ZiF - Zentrum für interdisziplinäre Forschung - Startseite > Vorträge, Lesungen, ... > 2004 >