Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Menschenbilder und Verhaltensmodelle in der wissenschaftlichen Politikberatung

Termin: 4. - 5. November 2004
Leitung: Martin Führ (Darmstadt), Kilian Bizer (Darmstadt), Peter-Henning Feindt (Hamburg)

Will der Staat bestimmte Ziele erreichen, stellt sich die Frage nach geeigneten Instrumenten. Um dieses regulatory choice Problem zu lösen, bedient sich die Politik häufig der wissenschaftlichen Politikberatung. Deren Empfehlungen fallen aber nicht selten gegensätzlich aus. Ein Teil der Widersprüche lässt sich auf unterschiedliche Annahmen bezüglich des Verhaltens der Normadressaten zurückführen. Vor diesem Hintergrund war es ein zentrales Ziel der Tagung, eine disziplinenübergreifende Verständigung darüber zu erreichen, bei jeder Politikempfehlung die zugrunde liegenden Verhaltensannahmen offen zu legen und zu begründen.
Dementsprechend ging es im ersten Teil um die Vorstellung und Diskussion des Verhaltensmodells des homo oeconomicus institutionalis als Bezugspunkt für eine interdisziplinäre Verständigung über Grundlagen der Politikberatung. Bestandteil dieses Modells ist eine Stufenheuristik, welche die Anreizsituation der Normadressaten sowie ihre Informationslage, normativen und ggf. situativen Orientierungen berücksichtigt. Im zweiten Teil diskutierten die Teilnehmer die Anwendung des interdisziplinären Verhaltensmodells auf konkrete Politikfelder: Reform der Agrarpolitik, Steuervereinfachung und Eigen-Verantwortung im betrieblichen Umweltschutz.
Im Ergebnis zeigt sich, dass Ökonomik, Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft und Soziologie sich darauf verständigen können, dass die explizite Diskussion zugrunde liegender Verhaltensannahmen einen Qualitätsstandard für die wissenschaftliche Politikberatung darstellen sollte. Darüber hinaus zeigen sich beachtliche Potenziale für eine interdisziplinär anschlussfähige Herangehensweise an die Analyse menschlichen Verhaltens im Hinblick auf politische Gestaltungsentscheidungen.

Beiträge

Martin Führ: Einführung in das Tagungsthema
Vorstellung verwandter Theorieansätze
Kilian Bizer: Das Verhaltensmodell der interdisziplinären Institutionenanalyse
Pascale Cancik: Kommentar
Martin Büscher: Verhaltensmodelle in der ökonomischen Institutionenanalyse und in einem Konzept kontextueller Ökonomie
Roland Lhotta: Kommentar
Anne van Aaken: Recht und Realanalyse - Welches Modell menschlichen Verhaltens braucht das Recht?
Dirk Jörke: Kommentar
Spezifische Elemente der Verhaltensbeeinflussung und der Erklärungsgehalt von Verhaltensmodellen
Anwendungsfeld 1: Verhaltensmuster als Gegenstand institutioneller Gestaltung am Beispiel der Agrarpolitik neuen Typs

Peter-H. Feindt: Vom homo oeconomicus zum aufgewühlten sittlichen Akteur zum institutionell gestützten Verantwortungsmenschen - Menschenbild und Verhaltensmodell der 'Agrarwende'
Volker Beckmann: Kommentar
Anwendungsfeld 2: Individuelle Fairnesspräferenz und institutionell vermittelte Transparenz am Beispiel von Steuervereinfachung
Dieter Ewringmann: Individuelle Fairnesspräferenz und institutionell vermittelte Transparenz am Beispiel von Steuervereinfachung
Anwendungsfeld 3: Institutionelle Bedingungen von Selbstverantwortung am Beispiel des betrieblichen Umweltschutzes
Martin Führ: Institutionelle Bedingungen von Selbstverantwortung am Beispiel des betrieblichen Umweltschutzes
Andreas Suchanek: Kommentar
Perspektiven eines interdisziplinären Verhaltensmodells
Michaela Haase: Perspektiven eines interdisziplinären Verhaltensmodells
Hellmuth Lange: Perspektiven eines interdisziplinären Verhaltensmodells
Wolfgang Köck: Perspektiven eines interdisziplinären Verhaltensmodells

Teilnehmende

Anne van Aaken (Heidelberg), Tatjana Aigner (Hannover), Detlef Aufderheide (Münster), Cornelia Becker (Darmstadt), Volker Beckmann (Berlin), Martin Büscher (Iserlohn), Pascale Cancik (Frankfurt am Main), Mathias Erlei (Clausthal-Zellerfeld), Dieter Ewringmann (Köln), Zulia Goubaidoullina (Darmstadt), Michaela Haase (Berlin), Andrea Haus (Landau), Martin Held (Tutzing), Hagen Hof (Hannover), Dirk Jörke (Greifswald), Wolfgang Köck (Leipzig), Lars Koch (Köln), Peter Koller (Graz), Nathalie Krieger (Darmstadt), Uwe Lahl (Berlin), Hellmuth Lange (Bremen), Justus Lentsch (Bielefeld), Oliver Lepsius (Bayreuth), Daniel Lewin (Flensburg), Roland Lhotta (Hamburg), Elisabeth Löckener (Bocholt), Andrea Maurer (Neubiberg), Hans G. Nutzinger (Kassel), Gerard Rowe (Frankfurt (Oder)), Ulrike Schenk (Berlin), Andreas Suchanek (Lutherstadt Wittenberg), Gerhard Vowe (Ilmenau), Stefan Weisenseel (Darmstadt), Heidi Wittmer (Leipzig)



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