Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Normen und Werte. Zur Rolle sozialer Normen als Instrumente der Wertverwirklichung

Termin: 8. - 10. Mai 2008

Leitung: Michael Baurmann (Düsseldorf), Geoffrey Brennan (Canberra), Robert Goodin (Canberra)

Werte sind für das Selbstverständnis von Individuen und Kollektiven konstitutiv. Die Identifikation mit grundlegenden Werten vermittelt sowohl dem Einzelnen als auch Gemeinschaften substantielle Ziele und verbindliche Orientierungen. Die Werte von Individuen und Gemeinschaften müssen aber in Handeln umgesetzt werden. Dabei spielen soziale Normen eine zentrale Rolle: Sie sollen dazu motivieren, in Übereinstimmung mit Werten zu handeln und als wertvoll erachtete Ziele zu realisieren. Die Arbeitsgemeinschaft sollte das Verständnis von Normen als Instrumenten der Wertverwirklichung aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven erweitern und vertiefen. Zu diesem Thema wurden Theorien und Erkenntnisse der Philosophie, Ökonomik, Politikwissenschaft, Soziologie und Rechtswissenschaft in einem interdisziplinären Dialog diskutiert.
In einem ersten Themenbereich ›Begriffe und Begründungen‹ thematisierten die Beiträge die grundlegenden Beziehungen zwischen Normen und Werten in Dialogsituationen, im Kontext der Unterscheidungen zwischen Konventionen und moralischen Prinzipien sowie zwischen sozialen Normen und Recht, in konsequentialistischen und deontologischen Ethiken und bei der Regulierung alltäglicher Problemsituationen. Im zweiten Themenbereich ›Empirie und Wirksamkeit‹ standen die Entstehung, Erhaltung und Evolution von Normen und Werten im Vordergrund. Die Beiträge behandelten experimentelle Studien zur Rolle normativer Erwartungen, die Grenzen von Rational-Choice Erklärungen, Theorien über dispositionelle Verankerungen normkonformen Handelns sowie Simulationsmodelle zur Rekonstruktion der Moraltheorie David Humes. Außerdem wurden die Ergebnisse des World Value Surveys über globale Werteverteilung und Wertkonflikte kritisch erörtert. Die Beiträge zum dritten Themenbereich ›Soziale Werte und kollektive Entscheidungen‹ widmeten sich dem Verhältnis zwischen individuellen und sozialen Werten in Situationen des gesellschaftlichen Umbruchs sowie der Frage, welche Konsequenzen unterschiedliche Normen kollektiver Entscheidungen für die Realisierung von Werten haben. Der öffentliche Abendvortrag Radical Evil and Norms setzte mit der Frage nach der Bedeutung sozialer Normen bei der Bewältigung schwerwiegenden Unrechts einen Kontrapunkt.
Die Arbeitsgemeinschaft hat das Projekt einer integrativen Norm- und Werttheorie befördert. Eine solche Theorie muss von der grundlegenden Erkenntnis ausgehen, dass formale Institutionen allein nicht in der Lage sind, die Verwirklichung gesellschaftlicher Werte zu garantieren, sondern dass die auf informellen und spontanen Prozessen beruhenden sozialen Normen mitentscheidend sind. Die Fokussierung auf die Rolle sozialer Normen als Instrumente der Wertverwirklichung, auf die endogene Dynamik bei der Entstehung und Entwicklung von Normen sowie auf die Bedeutung individueller Verhaltensdeterminanten bildet eine Klammer zwischen den verschiedenen Disziplinen und eröffnet Möglichkeiten für eine einheitliche Normen- und Werttheorie.



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