
Angesichts von Medienhypes wie um den Stammzellforscher Hwang, den ›König des Klonens‹, oder das Primatenfossil Ida stellt sich die Frage, wann und wie Wissenschaft in den Massenmedien inszeniert werden kann und sollte und welche Rückwirkungen solche Medienereignisse auf die Wissenschaft selbst haben. Die Tagung The Medialization of Science—Trends in the communication of scientific knowledge and their implications for science and society zielte darauf ab, diesen Prozess sozialwissenschaftlich zu reflektieren. Im Zentrum des wissenschaftssoziologischen Interesses stand dabei die Frage, ob sich durch neue Anforderungen an außerwissenschaftliche Sichtbarkeit die institutionellen und epistemischen Charakteristika der Wissenschaft verändern. Als Grundlage einer interdisziplinären Diskussion wurde das Konzept der Medialisierung von Wissenschaft vorgeschlagen, um die international vorhandenen, aber disparaten Ansätze auf diesem Gebiet zu integrieren. Die These der Medialisierung von Wissenschaft besagt, dass zum einen die Wissenschaft Gegenstand medialer Dauerbeobachtung geworden ist und sich zum anderen seitens der Wissenschaft eine zunehmend intensive Orientierung in Richtung massenmedialer Öffentlichkeiten abzeichnet. Ob die Orientierung an massenmedialen Aufmerksamkeitskriterien tatsächlich Rückwirkungen auf die wissenschaftliche Erkenntnisproduktion hat und auf welchen Ebenen sie sichtbar werden, war Gegenstand der zweitägigen Diskussion. Die empirischen Studien beschäftigten sich u.a. mit Medieneinflüssen auf die Wahl von Publikationszeitpunkten und Forschungsthemen, auf das Berufsverständnis von Wissenschaftlern, auf redaktionelle Entscheidungen bei Fachzeitschriften und auf die Struktur sozialwissenschaftlicher Argumente. Im Ergebnis wurde deutlich, dass die differenzierungstheoretische Perspektive wertvolle Begriffsklärungen für Analysen des Verhältnisses von Wissenschaft und Massenmedien bereitstellt. Die Frage nach der Generalisierbarkeit der Medialisierungsthese lässt sich bislang jedoch nicht beantworten, da bisher – vermutlich auch ein Medialisierungseffekt – das Gros der Fallstudien der Naturwissenschaft, und hier insbesondere den Paradebeispielen sichtbarer Wissenschaft wie der Biomedizin oder der Klimaforschung, verhaftet ist. Um den internationalen Austausch über die Konferenz hinaus zu befördern, ist die Publikation der Tagungsbeiträge im Sociology of the Sciences Yearbook vorgesehen.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Franziska Badenschier (Dortmund), Martin W. Bauer (London), Martin Carrier (Bielefeld), Richard Elliott (Nottingham), Ulrike Felt (Wien), Liza Gross (San Francisco, CA), Joan Haran (Cardiff), Wolfram Horstmann (Bielefeld), Arlena Jung (Berlin), Everett Mendelsohn (Cambridge, MA), Fran Osrecki (Wien), Hans Peter Peters (Jülich), Holger Wormer (Dortmund)