
Haben Tiere eine ›Persönlichkeit‹ und falls ja, warum ist das so und wie können wir sie objektiv erfassen? Eine Gruppe von Biologen und Psychologen diskutierte diese Fragen im Lichte neuer Befunde. Die Psychologen warnten die Biologen, dieselben Fehler zu begehen, die sie selbst in den letzten 50 Jahren in der Bearbeitung dieses Themas gemacht hätten und forderten die Biologen auf, ihre Konzepte schärfer zu fassen, definitorisch genauer zu werden und ihre Messmethoden kritisch zu hinterfragen. Es bestand aber Einigkeit, dass so etwas wie ›Persönlichkeit‹ bei Tieren existiert und zwar bis hinunter zu wirbellosen Tieren. Wie man diese erfassen kann, wie und ob sie sich im Laufe der Individualentwicklung verändert und warum unterschiedliche Persönlichkeitstypen nebeneinander bestehen können, erschien allerdings als die spannendste Frage. Wie wichtig sind Umwelteinflüsse – auch sozialer Art – und wie wichtig ist die Genetik für die Ausdifferenzierung einer Persönlichkeit? Sollte sich die Persönlichkeit eines Individuums nicht im Laufe der Ontogenese verändern, weil Jungtiere andere Anpassungen benötigen als Erwachsene? Wie wichtig ist es, die Information über die Umwelt, die während der Frühentwicklung aufgenommen wurde, während der Adoleszenz zu überprüfen und gegebenenfalls abzuändern? Die Möglichkeiten der Veränderung (die ›Plastizität‹) könnten aber durchaus durch die Bedingungen der frühen Entwicklung eingeschränkt sein. Das wirft die Frage nach der Interaktion von maternalen Effekten mit denen der individuellen Erfahrung auf. Diese Fragen wurden intensiv diskutiert, wie auch die relative Bedeutung von Genetik und Selbstorganisationsprozessen in der Entstehung von Persönlichkeit. Die Diskussionen am letzten Tag betonten die Bedeutung weiterer Untersuchungen der Ontogenese von Persönlichkeit und die Notwendigkeit, Modelle zu entwickeln, die den Test von evolutionär begründeten Vorhersagen erlauben würden, um von einem eher beschreibenden zu einem theoretisch begründeten, hypothesengeleiteten Arbeiten zu kommen. Die Teilnehmer stimmten zu, die Ergebnisse der Tagung in einer Serie von Arbeiten in der Zeitschrift Developmental Psychobiology zu publizieren.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Liv Baker (Vancouver), Alison M. Bell (Urbana, IL), Hans-Joachim Bischof (Bielefeld), Katrin Blawat (München), Mark Briffa (Plymouth), John P. Capitanio (Davis, CA), Romain Clément (Berlin), Nils Cordes (Champaign, IL), Sasha R.X. Dall (Exeter), Melanie Dammhahn (Göttingen), Jana Eccard (Potsdam), Björn Forkman (Frederiksberg), Eva Fucikova (Bielefeld), Samuel Gosling (Austin, TX), Giulia Gracceva (Groningen), Ton Groothuis (Groningen), Anja Günther (Bielefeld), Antje Herde (Bielefeld), Sylvia Kaiser (Münster), Thomas Klefoth (Berlin), Jaap M. Koolhaas (Groningen), Lars Lewejohann (Münster), Stephanie Lürzel (Münster), Caroline Müller (Bielefeld), Marc Naguib (Heteren), Klaus Reinhold (Bielefeld), Heiko G. Rödel (Bayreuth), Tim Ruploh (Bielefeld), Gerhard Sagerer (Bielefeld), Norbert Sachser (Münster), Ina Schicker (Füssen), Katja Siegeler (Münster), Andrew Sih (Davis, CA), Volker Stefanski (Stuttgart), Martin Tremmel (Bielefeld), Jana Uher (Berlin), Kees van Oers (Heteren), Nikolaus von Engelhardt (Bielefeld), Joe Waas (Wageningen), Franz J. Weissing (Groningen), Benjamin Zipser (Münster)