Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Web Epistemics - How the Web shapes what we believe and know, how we learn and what we are

Termin: 15. - 17. Februar 2012

Leitung: Beat Bächi (Bielefeld), Philippe Blanchard (Bielefeld), Philipp Cimiano (Bielefeld), Santo Fortunato (Bielefeld)

Insbesondere seit der Erfindung des Hypertext-Prinzips hat das World Wide Web einen immensen Einfluss auf alle Aspekte unseres Lebens. Suchmaschinen und soziale Netzwerke sind zu einer Alltäglichkeit geworden. Google und Facebook sind jedoch nur die prominentesten Beispiele dafür, wie das Internet mitbestimmt, wie wir zu Wissen über die Welt kommen, wie wir soziale Beziehungen knüpfen und unterhalten, was wir glauben und wie wir lernen. Um die Funktion eines verteilten Systems wie des Internets und sozialer Netzwerke für die Generierung, Zirkulation und Verwendung von Wissen zu verstehen, brachte der Workshop Web Epistemics—How the Web schapes what we believe and know, how we learn and what we are WissenschaftlerInnen aus der Informatik, der Wissensgeschichte, der Mathematik, der Soziologie, der Physik, der Politikwissenschaft, der Psychologie und der Linguistik zusammen.

Ein zentrales Problem ist die immer stärker wachsende Menge an Informationen im Netz, die es schwierig macht, qualitativ hochstehende Informationen von Hintergrundrauschen zu unterscheiden. Das Filtern von Information ist in der Tat zu einer zentralen Aufgabe in unserer Gesellschaft geworden. Wie insbesondere der Nachmittagsvortrag von David Gugerli zum Thema Information Overload. Knowledge and Noise since the 1960s gezeigt hat, sind diese Phänomene jedoch keineswegs präzedenzlos. Gesellschaften mussten schon immer in einem kulturellen Gedächtnis Informationen selektieren, organisieren, erinnern und vergessen. Suchmaschinen sind dabei, wie Theo Röhle darlegte, gleichsam mit Macht durchtränkte Medien. Im Gegensatz zu Suchmaschinen haben Web-Sites zuweilen keinen klaren Adressaten, wie Alexandros-Andreas Kyrtsis am Beispiel der Web-Kommunikation von (Rück-)Versicherungsunternehmen vorführte.

Ein wichtiges Thema der Konferenz war die Frage, wie Menschen als Kollektiv Wissen erzeugen können, z.B. innerhalb kollaborativer Systeme wie Wikipedia. Mark Klein ging auf das sog. MIT-Deliberatorium ein und stellte Methoden vor, wie das Wissen der Massen genutzt werden kann, um komplexe wissenschaftliche Probleme zu lösen. Vittorio Loreto beleuchtete die Möglichkeit, wie durch Online-Spiele Wissen ›eingefangen‹ werden kann. Bei der kollektiven Erstellung von Wissen kommt es allerdings auch unausweichlich zu Konflikten, z.B. aufgrund verschiedener und inkompatibler Weltansichten. Janos Kertesz stellte in diesem Zusammenhang am Beispiel von Wikipedia ein Modell vor, welches erklären soll, wie solche Konflikte entstehen und wie frühzeitig erkannt werden kann, ob sie einer Lösung zugeführt werden können. José Ramasco, Mariangeles Serrano und Romualdo Pastor-Satorras analysierten das kollektive Verhalten von Nutzern in Online-Systemen wie sozialen Netzwerken und stellten statistische Modelle vor, die dieses Verhalten beschreiben. Krishna Gummadi beschäftigte sich mit der Entstehung von Innovationen in sozialen Netwerken am Beispiel von Twitter. Marko Grobelnik trug zum Thema der Informationsdiversität vor und präsentierte Ansätze, wie relevantes Wissen aus solchen Netzwerken automatisch extrahiert werden kann.

Mehrere Beiträge widmeten sich dem Einfluss des Internets auf die Gesellschaft, aber auch auf das Individuum. Diesbezüglich suggerierte Daniela Pscheida, dass das Web einen erheblichen Einfluss auf die Art und Weise hat, wie Wissenschaft betrieben wird. Dave Nicholas ging der Frage nach, inwiefern das Web unsere Lesegewohnheiten beeinflusst. Arne Rogg-Pietz erörterte, inwiefern sich unser Verständnis von Demokratie durch das Web verändert hat. Schließlich beschäftigte sich Yvonne Kammerer mit der Frage, wie wir Informationen im Web bewerten und wie wichtig deren Urheberschaft dabei für uns ist. Ein weiteres Thema der Konferenz war auch der Umgang mit persönlichen Daten im Internet. Thomas Schildhauer stellte ein Modell vor, welches dem Anwender komplette Kontrolle über seine Daten gibt sowie darüber, wem sie für welche Zwecke übergeben werden.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer:
David Clark (Newbury), Claudia Göbel (Bielefeld), Marko Grobelnik (Ljubljana), David Gugerli (Zürich),
Krishna Gummadi (Saarbrücken), Carsten Jürgens (Bielefeld), Clemens Heinrichs (Bielefeld),
Marcel Jacobsmeier (Bielefeld), Yvonne Kammerer (Tübingen), János Kertész (Budapest),
Mark Klein (Cambridge, MA), Hergen Köhler (Bielefeld), Alexandros-Andreas Kyrtsis (Athen),
Vittorio Loreto (Rom), David Nicholas (Newbury), Rebecca Mertens (Bielefeld), Matis Nolte (Bielefeld),
Romualdo Pastor-Satorras (Barcelona), Daniela Pscheida (Dresden), José Ramasco (Palma de Mallorca),
Helge Ritter (Bielefeld), Theo Röhle (Paderborn), Arne Rogg-Pietz (Kiel), Thomas Schildhauer (Berlin),
Mariangeles Serrano (Barcelona), Luka Stopa (Ljubljana), Stephan Wieschebrink (Bielefeld)



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