Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Geschichte des ZiF

Die ersten vier Jahre nach seiner Gründung 1968 residierte das ZiF im eigens dafür angemieteten Schloss Rheda, 30 Kilometer von Bielefeld entfernt. Dort gab es neben Büroräumen zwar auch einen Tagungsraum, doch einjährige Forschungsgruppen, die ursprünglich als einzige Arbeitsweise am ZiF vorgesehen waren, konnten nicht realisiert werden. Deshalb begann das ZiF seine Arbeit mit kürzeren Tagungen, einem Arbeitsformat, das bis heute in den Arbeitsgemeinschaften weiter besteht.

Als das ZiF 1972 seinen eigenen Campus zwischen Universität und Teutoburger Wald bezog, war von der Universität noch nicht mehr zu sehen als die Türme, in denen später die Aufzüge fahren würden. Der Umzug nach Bielefeld brachte zunächst noch keine großen Veränderungen. Denn in den Wohnungen, die eigentlich für auswärtige Wissenschaftler und ihre Familien vorgesehen waren, wurden bis zur Fertigstellung des Universitätshauptgebäudes Mitarbeiter der Universitätsverwaltung untergebracht. Als die ersten großen Forschungsgruppen mit den Themen Recht und Sozialwissenschaften und Mathematische Probleme der Quantendynamik ab 1974/1975 ans ZiF kamen, waren die behelfsmäßig eingerichteten Büros gerade erst ausgeräumt worden. Seither haben die Direktorien des ZiF eine einheitliche Strategie verfolgt: einseitige Schwerpunktbildung vermeiden. Dynamische Modelle und statistische Methoden (Satz 1975-1977) standen neben Vergleichende(r) Verhaltensontogenese bei Mensch und Tier (Immelmann 1977/1978), der Funktionsgeschichte literarischer Utopien in der Frühen Neuzeit (Voßkamp 1980/1981) und dem Zusammenhang Rationale Umweltpolitik – Rationales Umweltrecht (Lübbe-Wolff 1998/1999).

Zu den besonders einflussreichen Forschungsgruppen des ZiF zählen Perception and Action unter der Leitung von Wolfgang Prinz, Herbert Heuer, Odmar Neumann und Andries Frans Sanders (1984/1985), Game Theory in the Behavioral Sciences unter der Leitung von Reinhard Selten (1987/1988), Prerational Intelligence unter der Leitung von Holk Cruse und Helge Ritter (1993/1994) und Verkörperte Kommunikation bei Menschen und Maschinen (Wachsmuth und Knoblich 2005/2006). Die ZiF-Forschungsgruppen brachten im Laufe der Jahre über 2000 internationale Forscher ans ZiF, darunter die Nobelpreisträger Reinhard Selten, Elinor Ostrom, John C. Harsanyi und Roger Myerson.

Eine besondere Rolle in der Geschichte ZiF spielt der Soziologe Norbert Elias, der als einziger permanent fellow über einen Zeitraum von sechs Jahren (1978 bis 1984) am ZiF lebte und arbeitete.

Seit 1971 finden am ZiF als besondere Form der Arbeitsgemeinschaften Autorenkolloquien statt, die dem Werk eines Autors gewidmet sind. Sie führten unter anderen Roman Jacobson (1975), Ernst Mayr (1986), Donald Davidson (1991), Ronald Dworkin und Jürgen Habermas (1994) und Lars Gustafsson (2006) ins ZiF.

Seit 1976 beherbergt das ZiF, ermöglicht durch die Unterstützung der Westfälisch-Lippischen-Universitätsgesellschaft, wechselnde Kunstausstellungen.

Helmut Schelsky war davon überzeugt, dass die Integration von Disziplinen nur unter Einbeziehung des wissenschaftlichen Nachwuchses gelingen kann. Promovierte Nachwuchswissenschaftler aller Fakultäten können sich am ZiF um die Ausrichtung von Arbeitsgemeinschaften und Forschungsgruppen bewerben, seit 2002 besteht zudem das junge ZiF, dessen Fellows sich regelmäßig über interdisziplinäre Forschungsvorhaben austauschen.

Auf der 40-Jahr-Feier des ZiF im Jahre 2008 hielt Harald Weinrich, ZiF-Direktor von 1972 bis 1974, die Rede, die er für die Eröffnung des ZiF in den neuen Räumlichkeiten am 12. Januar 1973 vorbereitet hatte, wegen der Proteste aufgebrachter Studenten gegen die 'Elitenförderung' aber nicht halten konnte. Sie bringt bis heute das Selbstverständnis des ZiF auf den Punkt: als Anreger, Gastgeber und Beförderer von Interdisziplinarität.



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