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Kontrolle der Gewalt

ZiF: Forschungsgruppe 2007/2008

Leitung: Heinz-Gerhard Haupt, Wilhelm Heitmeyer (beide Bielefeld)

In der ZiF-Forschungsgruppe "Kontrolle der Gewalt" sollen Erklärungsmuster, Formenwandel und die Zukunft der Gewalt untersucht werden. Ausgehend von der These, dass wir es künftig mit einem zunehmenden Verlust an Kontrolle über Gewalt zu tun haben werden, welcher eine Steigerung der Gewaltraten erwarten lässt, sollen Erscheinungsweisen physischer Gewalt auf individueller, kollektiver und staatlicher Ebene einbezogen werden.
Auf der Mikroebene steht dabei die Aktionsmacht Amok im Vordergrund. Hierbei lässt sich ein doppelter Kontrollverlust feststellen: auf Seiten der Täter hinsichtlich der Möglichkeiten, die eigene Biographie zu gestalten sowie auf Seiten staatlicher Instanzen, welche zunehmenden Delegitimierungsprozessen unterworfen zu sein scheinen. Auf der Mesoebene kann in Form von ethnisch-religiösem Terror ebenfalls von einem doppelten Kontrollverlust ausgegangen werden. Er besteht bei den potentiellen Adressaten von Terror darin, dass es keine Vorwarnzeiten mehr gibt, die es ermöglichen würden den Alltag möglichst angstarm zu gestalten. Auf der Seite der Täter setzen religiöse Heilserwartungen die traditionellen Parameter der Risikoabschätzung außer Kraft. Die Kontrollverluste auf der Makroebene zeigen sich in der fragilen Staatlichkeit und der fehlenden Anerkennung des staatlichen Gewaltmonopols. Es scheinen diejenigen zu bestimmen, die die größte Gewaltsamkeit demonstrieren und die Gesellschaft zu gewinnbringenden Gewaltmärkten umwidmen können.
In dem Forschungsjahr werden sowohl international komparative sozialwissenschaftliche Analysen angestrebt als auch historische Vergleiche, welche es ermöglichen, national und temporal unterschiedlich wirksame Mechanismen des Kontrollverlustes - aber auch möglicherweise solche des Kontrollgewinns - zu untersuchen, in ihrer Spezifik herauszuarbeiten und in länger andauernde Wirkungszusammenhänge einzuordnen. Die interdisziplinäre Zusammensetzung der Forschergruppe verspricht zudem eine bestmögliche Erfassung der unterschiedlichen Aspekte und Dimensionen des komplexen Problems.

Anfragen zur Forschungsgruppe Kontrolle der Gewalt beantwortet die Forschungsassistentin Andrea Kirschner (email: andrea.kirschner@uni-bielefeld.de), Tel. +49 521 106-2787.



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