Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Vom Lernen zum Selbstbestimmen

Gehirnforschung und Pädagogik

ZiF-Public Lecture mit Manfred Spitzer (Ulm)
Termin: 7. Juli 2005, 19.00 h

Manfred Spitzer

Im Plenarsaal des ZiF findet am Donnerstag, dem 7. Juli 2005 ab 19.00 Uhr erneut ein Abendvortrag für die breite Bielefelder Öffentlichkeit statt, mit dem dieses Mal das Thema Bildung im Kontext moderner Gehirnforschung in den Mittelpunkt gestellt wird. Im vergangenen Jahrzehnt, das als decade of the brain bezeichnet worden ist, haben Neurophysiologie und Neurobiologie tiefere und differenziertere Einblicke in die Arbeitsweise unseres Gehirns erbracht als je zuvor. Vieles davon ist für Lernen und Lehren von großer Bedeutung.

Mit Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer konnte für die ZiF-Public Lecture in diesem Jahr ein Referent gewonnen werden, dessen interdisziplinärer Werdegang ihn für das Thema vielfach prädestiniert.
Geboren 1958, studierte Spitzer in Freiburg Medizin, Psychologie und Philosophie. Er promovierte in Medizin (1983) und Philosophie (1985) und schloss 1984 das Diplom im Fach Psychologie ab. Seine Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie mündete 1989 in seiner Habilitation an der Universität Freiburg. Von 1990 bis 1997 war Manfred Spitzer Oberarzt an der psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg. Zwischenzeitlich führten ihn mehrere Forschungsaufenthalte in die USA: 1989 / 90 war er Gastwissenschaftler und später Gastprofessor für Psychologie an der Harvard University, 1992 Gastwissenschaftler im Bereich Cognitive Neuroscience an der University of Oregon und 1994 war er wiederum Gastprofessor für Klinische Psychologie an der Harvard University.
Seit 1997 ist Manfred Spitzer Ärztlicher Direktor der neu gegründeten Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. Seine Forschungsschwerpunkte sind dort die allgemeine, experimentelle und klinische Psychopathologie unter Berücksichtigung neurowissenschaftlicher Konzepte und Methoden. Insbesondere arbeitet er an der Kombination funktionell bildgebender Verfahren zur genauen räumlichen und zeitlichen Lokalisation höherer geistiger Leistungen und deren pathologischer Veränderungen.
Professor Spitzers umfangreiches wissenschaftliches Werk, mit über 100 Publikationen im Schnittgebiet von Psychologie, Neurobiologie und Psychiatrie, wurde 1992 mit dem Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenheilkunde und 2002 mit dem Preis der Cogito-Foundation zur Förderung der Zusammenarbeit von Geistes- und Naturwissenschaften ausgezeichnet.
Der breiten Öffentlichkeit ist Manfred Spitzer als Autor zahlreicher Bücher bekannt, unter anderem Lernen - Gehirnforschung und die Schule des Lebens (Spektrum, 2002) und Selbstbestimmen - Gehirnforschung und die Frage: Was sollen wir tun? (Spektrum 2003).
Zu den von ihm vertretenen Einsichten gehört, wie Lehrstrategien so anzulegen sind, dass Lernende vor allem die Möglichkeit erhalten, aus Beispielen die tragenden Muster selbst zu entwickeln, wie Lernerfolg ganz entscheidend mit einer positiven affektiven Beteiligung des Lernenden zusammenhängt, und inwiefern schließlich mit der Verfügbarkeit von Medien oder Informationen im Internet der Lehrer und sozial-kooperatives Lernen nicht etwa überflüssig, sondern im Gegenteil besonders wichtig sein wird.
Somit dürfen wir gespannt sein auf einen Abendvortrag über die Nutzbarkeit von neurophysiologischer und neurobiologischer Forschung für die Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen, vorgestellt von einem Referenten, dessen Spezialität es ist, ohne 'Fachchinesisch' allgemeinverständlich und anregend auch durch schwierige Materie zu führen.



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