Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Können wir von Robotern etwas über die Entstehung der menschlichen Sprache lernen?

ZiF:Public Lecture mit Luc Steels
(Freie Universität Brüssel und Sony Computer Science Laboratory, Paris)

Termin: 20. Oktober 2008, 18:30

Plakat Die Entstehung der menschlichen Sprache ist ein faszinierendes Problem, doch bislang hat es einer soliden wissenschaftlichen Erklärung getrotzt. Nach bald einem Jahrhundert der Stagnation wird dieses Forschungsthema mit neuem Elan in den Wissenschaften aufgegriffen, die sich mit Sprache beschäftigen, von Linguistik über Anthropologie und Neurobiologie bis zur Genetik. Wie in anderen Wissenschaften leistet auch hier die Modellbildung einen wichtigen Beitrag, und ganz besonders deshalb, weil es offensichtlich keine Daten über die ersten Anfänge von Sprache gibt.

Luc Steels In seinem Vortrag wird Professor Steels aufzeigen, dass die Modellierung der Evolution von Sprache in der letzten Dekade beeindruckende Fortschritte gemacht hat. In den Modellen der Sprachevolution führt man eine Population von rechnergesteuerten „Agenten“ ein, mit denen die kognitiven Fähigkeiten und Interaktionsmuster typischer Sprachbenutzer technisch modelliert werden. Die Agenten werden dann dazu eingesetzt, Sprachspiele miteinander zu spielen; so soll herausgefunden werden, ob sich ein der menschlichen Sprache vergleichbares Kommunikationssystem tatsächlich von Grund auf entwickelt, wenn eine bestimmte Konstellation kognitiver und sozialer Fähigkeiten vorgegeben ist. Dies lässt sich nicht nur in der Computersimulation testen; die Agenten können auch als autonome Roboter gebaut werden, mit visueller Wahrnehmung, motorischer Kontrolle und „verkörperter“ Kognition, sämtlich notwendig, um gegründete Sprachspiele zu spielen.

Die Ergebnisse dieser experimentellen Forschung sind schon jetzt bemerkenswert. So weiß man mittlerweile, wie Roboter zu konstruieren sind, die sich selber ein Lexikon und ein in der Wahrnehmung gegründetes Inventar von Konzepten über die Welt schaffen. Neuere Experimente haben im Ansatz gezeigt, wie dann in Roboter-Sprachspielen selbst Kasusgrammatiken, die denen des Menschen ähneln, entstehen können. Im Gegensatz zu der Hypothese, dass Sprache aus einem einzigartigen genetischen Ereignis hervorging, welches ein hochspezialisiertes Sprachorgan im Gehirn entstehen ließ, zeigen diese Modelle, dass entwickelte Kognition und soziale Interaktionsmuster die entscheidenden Faktoren gewesen sein müssen.



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