Interdisziplinäres Seminar
Im Wintersemester 2009/10 wurde auf Initiative von Doktorandinnen und Doktoranden ein neues Veranstaltungsformat ins Leben gerufen, um den Austausch zwischen der Geschichte und der Soziologie weiter zu fördern: das Interdisziplinäre Seminar. Ziel dieser Veranstaltung ist es, Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern auf dem Doktoranden- und Postdoktoranden-Level sowie Professorinnen und Professoren zu einer gemeinsamen Theoriedebatte über Forschungsansätze der beiden Disziplinen anzuregen. Veranstaltet wird das Seminar von Promovierenden der Geschichte und der Soziologie sowie den Direktoren der Graduiertenschule.
Sommersemester 2012: Working with/on Social Practices
Veranstalter: Gleb Albert, Rory Tews, Thomas Welskopp
In der derzeitigen Theoriedebatte in der Geschichte, aber auch zunehmend in der Soziologie, werden praxistheoretische Ansätze nicht selten als zukunftsträchtiger Ausweg aus den verschiedensten methodologischen Dilemmata angeführt: als Möglichkeit, Struktur und Handeln miteinander zu vereinbaren, als Tor für die Rückkehr des menschlichen Akteurs, als Perspektive der Vermittlung von Sprache und Handeln, als zu Bruno Latour alternatives Transportvehikel für das Materielle in der Kultur. Das Seminar wird versuchen, anhand zentraler Texte eine Bilanz der Entwicklung zu ziehen und weiterführende Perspektiven aufzuzeigen.
Wintersemester 2011/12: Control
Veranstalterinnen und Veranstalter: Anna Demidova, Thomas Welskopp
Im Seminar wird eine Reihe von Texten (u.a. Pierre Bourdieu, Michel de Certeau, Harvey Sacks und Michel Foucault) vorgeschlagen , die sich mit verschiedenen Aspekten der Kontrollforschung befassen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmner sollen anhand der Texte reflektieren, wie man die diskutierten Vorgehensweisen in eigenen Arbeiten umsetzen kann.Folgende Themen stehen zur Diskussion: what it means to understand a rule, social production of law, being deviant as being noticeable, everyday resistances, resources of the European domination, political rationalities und governmental technologies.
Sommersemester 2011: Raum und Zeit
Veranstalterinnen und Veranstalter: Dominik Mahr, Mashid Mayar, Thomas Welskopp
Das Ziel des Seminars bestand darin, die TeilnehmerInnen an die gegenwärtige tempo-spatiale Theoriediskussion in der Geschichtswissenschaft
und der Soziologie heranzuführen. Die topologische Wende der späten 1980er Jahre wurde zum Ausgangspunkt gewählt, um das Thema
in seinen disziplinären Ausprägungen, Fragestellungen und Analysemöglichkeiten zu untersuchen.
Anhand repräsentativer Texte gelang es, unterschiedliche historische und zeitgenössische Zugriffsmöglichkeiten zu dem Begriffspaar "Raum und Zeit"
zu reflektieren. Hierbei erwies es sich als heuristisch sinnvolles Instrument zur Analyse von Phänomen unterschiedlicher Größenordnungen
(z. B. Globalisierung) und aus unterschiedlichen Wissensfeldern (z. B. Wissenschaftsforschung).
Wintersemester 2010/11: Kultur und Gesellschaft
Veranstalterinnen und Veranstalter: Ruben Hackler, Manuela Pfinder, Thomas Welskopp
Im Rahmen des Seminars wurde das Begriffspaar Kultur und Gesellschaft aus sozial- und geschichtswissenschaftlicher Perspektive einer kritischen Betrachtung unterzogen. Dabei wurde Kultur ganz allgemein als ein dynamisches Ensemble von Praktiken mit variierenden Bedeutungsmustern verstanden, Gesellschaft hingegen als ein in sich gefestigtes Gebilde, dem die Tendenz zur Vereinheitlichung eigen ist. Die Autonomie oder die Interdependenz des Begriffspaars wurde methodisch und theoretisch aus soziologischer sowie historischer Sichtweise reflektiert.
Sommersemester 2010: Struktur und Reproduktion
Veranstalter: Thomas Welskopp, Frank Wolff
Im Rahmen des Seminars wurden die omnipräsenten Begriffe Struktur und Reproduktion einer genaueren Betrachtung unterzogen. Dabei wurden unter dem Begriff Strukturen wandelbare soziale Zusammenhänge verstanden, deren Bezug zum reproduzierenden Akteur oder Operator jedoch theoriespezifisch ausgelegt wird. Wie ist konzeptionell zu fassen, dass hinter beobachtbaren Regelmäßigkeiten des Handelns Regelhaftigkeiten stehen? Dieses Wechselverhältnis wurde im Interdisziplinären Seminar anhand der Theorieentwicklung von Klassikern der Soziologie bis zu aktuellen Ansätzen ausgelotet.
Wintersemester 2009/10: Wandel und Kontinuität
Veranstalterinnen und Veranstalter: Jörg Bergmann, Hye-Young Haubner, Ulrike Schulz, Thomas Welskopp
Das Seminar nahm den in der Soziologie derzeit stark beachteten Forschungsansatz sozialer Mechanismen zum Ausgangspunkt, um den Dialog über Synergieeffekte, aber auch Abgrenzungslinien beider Fächer aufzunehmen. Der inflationäre und in beiden Disziplinen nicht hinreichend explizierte Gebrauch des Mechanismusbegriffs legt einen vorerst offenen Zugang nahe: Soziale Mechanismen werden zunächst ganz allgemein als kontingente, kontextspezifische und verallgemeinerbare kausale Zusammenhänge verstanden, die zur Erklärung von sozialem Wandel herangezogen werden. Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur das je zu erklärende soziale Phänomen, sondern vor allem sein Entstehungsprozess. Dies berücksichtigte explizit die historische Dimension: die Kontingenz von Wandlungsprozessen sowie die große Varianz von Einflussfaktoren, etwa Erinnerung und Erfahrungen, die Etablierung sozialer Praxen und Routinen oder Pfadabhängigkeiten.

