->Summer School "Mobilizing Ethnicity"
Radiobeitrag für den Bürgerfunk Bielefeld

->Summer School "Mobilizing Ethnicity"

Filme zur 3. Internationalen Tagung und Summer School 'Mobilizing Ethnicity' in Bielefeld (27.6.-6.7.2012)

->"Mobilizing Ethnicity"

"Mobilizing Ethnicity" - International Conference and Summer School Bielefeld 2012 (Veranstaltungsfyler)
Programm (PDF)

->Tagungsbericht

Film zur 1. Internationalen Tagung des Kompetenznetzes Lateinamerika in Bonn (04.-06.10.2010)


->Kooperationsbrief mit dem Historischen Institut der UASB in Quito unterzeichnet
Anfang August 2011 hat Prof. Dr. Christian Büschges, Projektleiter des Bielefelder Teilprojekts und Mitglied des Vorstandes des Kompetenznetzes Lateinamerika, im Rahmen eines Aufenthaltes in Ecuador einen Kooperationsbrief zwischen dem Kompetenznetz und dem Historischen Institut der Universidad Andina Simón Bolívar in Quito unterzeichnet.
Abteilung Geschichtswissenschaft- Kompetenznetz Lateinamerika
 
 
Uni von A-Z
  Flagge English
  
Startseite  |   Abteilung  |   Forschung  |   Studium

Grundlinien des Forschungskonzeptes und übergeordnete Leitfragen

Die Innen- und Außenwahrnehmungen Lateinamerikas sind geprägt von der soziokulturellen Heterogenität des Kontinents. In der aktuellen Situation, in der einerseits die Schere zwischen arm und reich immer stärker auseinander geht und dies sowohl von ethnischen Zuschreibungen beeinflusst ist als auch selbst wiederum ethnische Zuordnungen mitbestimmt und in der andererseits politische Partizipationsrechte auch an ethnische Kriterien gebunden sind, bemühen sich einige lateinamerikanische Gesellschaften ihrer Multiethnizität erstmals in politischen Ordnungsvorstellungen gerecht zu werden - z. B. durch entsprechende Verfassungsänderungen. Hiermit wird versucht, historisch verwurzelte soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Exklusionsmechanismen zu entkräften, um die gesellschaftlichen Brüche innerhalb der Nationen zu mildern. Globale wirtschaftliche Entwicklungen fördern die Arbeitsmigration und führen zu neuen transkulturellen und transregionalen Ausdifferenzierungsprozessen. Vor diesem Hintergrund sollen sowohl aktuelle als auch historische Phänomene von Inklusion und Exklusion untersucht werden. Grundlage ist das in der Sozialforschung (Foucault 1975, Luhmann 1995, Ziemann 1998) definierte Verständnis von Inklusion als "Berücksichtigung von Personen in sozialen Systemen, während Exklusion deren Ausgrenzung bzw. Nichtberücksichtigung meint" (Hahn, Schorch 2007, S. 253, Stichweh 2007, S. 231). In diesem Rahmen wird das Forschernetzwerk eine Reihe aufeinander bezogene Fallstudien vorlegen, die Strukturen und Vorstellungen von Ethnicity, Citizenship und Belonging untersuchen und dabei systematisch auch Ansätze der entsprechenden lateinamerikanischen Theoriebildung neu fokussieren, wie etwa das inzwischen auch in der internationalen Soziologie zunehmend aufgegriffene Konzept der Transkulturation (Ortiz 1940, Pumar 2003, Millington 2005), das aus inhaltlichen wie methodischen Gründen für die Schärfung der genannten Begriffe notwendig ist, nicht zuletzt indem es das Untersuchungsfeld aus einer von vornherein interdisziplinären Perspektive betrachtet. Ziel ist es, mit der theoretisch-methodischen Arbeit anhand einzelner Fallbeispiele nicht nur regionalspezifische Erkenntnisse, sondern auch Anstöße für die thematische Diskussion in anderen Weltregionen zu liefern.

Im Zentrum des Vorhabens steht die gemeinsame Erarbeitung eines disziplinär und regional übergreifenden theoretischen Konzeptes zu den Schlüsselbegriffen Ethnicity, Citizenship und Belonging, das sich auch für andere Weltregionen diskutieren lässt. Bislang sind derartige Definitionen fast nur innerhalb der einzelnen Disziplinen und Regionen entwickelt worden. Außerdem wird die Bildung neuer begrifflicher Instrumente angestrebt. Als Vorbild kann hier der Begriff der "ethnischen Staatsbürgerschaft" (ciudadanía étnica) dienen, der Ethnicity und Citizenship verbindet (Rößler 2008, Büschges 2008).

Die sozio-kulturelle Verortung von Individuen und Gruppen werden von einer Vielzahl von interdependenten Faktoren beeinflusst. Drei Arbeitsgruppen setzen sich mit diesen verschiedenen Faktoren anhand dreier Leitfragen auseinander. Zunächst stellt sich dabei die Frage, wie die Thematik von Inklusion und Exklusion im politischen Raum kommuniziert wird und von welchen Faktoren diese Kommunikation beeinflusst wird. Wie der politische und andere "Räume" konstituiert sind, wird in der zweiten Arbeitsgruppe untersucht. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Faktoren Migration und Globalisierung, im konkreten Fall internationale Unternehmen, da diese Lokalität und "Zugehörigkeit" bedeutend verändern. In der dritten Arbeitsgruppe schließlich werden Interdependenzen mit anderen zentralen Unterscheidungs- und Identitätskategorien untersucht: soziale Klasse, Geschlecht, Alter und Unterscheidungen nach "Rassen". Durch diese Dreiteilung wird das Forschungsfeld übersichtlicher und leichter handhabbar. Jede einzelne der Arbeitsgruppen erforscht dabei, inwiefern die theoretischen Konzepte auf die Praxis anwendbar sind und, umgekehrt, inwiefern die theoretischen Konzepte im Lichte der konkreten Entwicklungen haltbar sind.