IKG
Logo der Einrichtung
 
Uni von A-Z
  Flagge  English
Universität Bielefeld > IKG
  

Ziele und Arbeitsschwerpunkte

Politische, soziale und kulturelle Konflikte sind in demokratischen und pluralistischen Gesellschaften ein allgegenwärtiges und unvermeidbares Phänomen. Im positiven Fall führen sie zu verändertem Problembewusstsein und sozialem Wandel, im negativen Fall zur Verhärtung von Polarisierung und Gewalt.

Die Arbeiten des Instituts konzentrieren sich auf theoretische und empirische Analysen sowohl konstruktiver wie destruktiver Konflikte und ihrer Folgen. Insbesondere die Ausmaße und Ursachen von Gewalt stehen im Mittelpunkt der Arbeit.

Die Formen dieser Destruktion, ihre Ausmaße und Folgen für die psychische und physische Integrität von Personen, für das Zusammenleben sozialer Gruppen oder die moralische Verfassung einer Gesellschaft sind vielfach beschrieben worden. Zumeist schwingt in solchen Analysen die Hoffnung mit, dass die moderne Gesellschaft eine kulturell humane und strukturell auf sozialen Ausgleich gerichtete Entwicklung nehme, in der politische Einflussnahmen dafür sorgen, dass individuelles und soziales Leben von immer weniger Gewalt bedroht sei. Diese Hoffnung wird von der Annahme eines zivilisatorischen Fortschritts geprägt. Es hängt vom gewählten historischen Zeitrahmen ab, welche Einschätzung hinsichtlich der Gewaltentwicklung dann die heutige Situation erfährt. So haben zum Beispiel die über einen langen Zeitraum abnehmenden Homizid-Raten in westlichen Gesellschaften seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts eine Trendumkehr erfahren. Es stellen sich Fragen danach, inwieweit anomische und desintegrative Folgen des schnellen sozialen Wandels damit in Verbindung gebracht werden müssen.

Gruppe mit Mofa

Aktuellen Erklärungsbedarf schaffen besonders die Rückkehr ethnisch-kultureller Konflikte und die damit verbundene politisch motivierte Gewalt auch in den modernen westlichen Industriegesellschaften. Diese Entwicklung wurde lange nicht als besonderes Problem wahrgenommen, weil die ethnisch-kulturellen Schichtungen sich im Zuge gesellschaftlicher Modernisierung auflösen sollten, was in dieser Form nicht eintrat. Die zunehmende sozio-ökonomische Polarisierung in westlichen Gesellschaften, ihre wachsenden ethnisch-kulturellen Heterogenisierungen und sozialräumlichen Segregationen verweisen auf neue komplexe Problemstrukturen, die hochgradig konflikthaft angelegt sind. Diese zunehmende Konflikthaftigkeit ist begleitet von strukturellen Problemen befriedigender systemischer und sozialer Integration westlicher Industriegesellschaften. Deshalb stehen im Mittelpunkt der Arbeit des Instituts auch Untersuchungen zu der Frage, welche Formen der Integrations-Desintegrationsdynamik für weitreichende Problemlagen sorgen.

Die sozialen und psychischen Folgen dieser gesellschaftlichen Problemlagen werden vor allem auf dem Hintergrund der Theorien sozialer Identität untersucht, um sowohl die Prozesse ethnischer Gruppenbildungen bzw. Abschottungen mit unter Umständen eskalierenden Folgen als auch die Bedingungen für die Auflösung solcher kollektiven Identitäten in den Blick zu nehmen.

Im Zusammenhang mit der sozialen Integration bzw. Desintegration ist die langfristige Analyse von menschenfeindlichen Einstellungen wie Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit etc. in der Bevölkerung sowie damit zusammenhängender rechtsextremer Gewalt durch Gruppen im öffentlichen Raum ein weiteres zentrales Forschungsziel.

Mann auf Fahrrad

Ebenso wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Auswirkungen von sozialer Desintegration einerseits sowie Gewalt durch Gruppen der Mehrheitsgesellschaft andererseits auch für die Entwicklung der politischen und religiösen Einstellungen und Handlungsweisen von Migrantengruppen von Bedeutung sind und auf diese Weise auch Ursachen z. B. eines machtorientierten religiösen Fundamentalismus sein können.

Nicht zuletzt ergeben sich zentrale Forschungsfragen nach den komplexen Wechselwirkungen von strukturellen Bedingungen (etwa ökonomischer Zwänge, sozialer Positionen, rechtlicher Prinzipien), sozialpsychologischen Mechanismen (etwa der Verantwortungszuschreibung, des sozialen Vergleichs oder der kollektiven Identifikation) und interagierenden Akteursgruppen (etwa politischer Parteien, ethnischer Gruppierungen, rechtsextremer Gewaltgruppen) im sozialräumlichen Kontext, um die konstruktiv verlaufenden Konflikte ebenso zu analysieren wie vor allem die destruktiven Konflikte mitsamt eventuell auftretender Gewalt. Hierzu werden, wenn immer möglich, sowohl Mehr-Ebenen-Analysen als auch interdisziplinäre Konzeptionen herangezogen, die im Erfolgsfalle zu einer Fortentwicklung der theoretischen Konzeption wie auch der Möglichkeiten, präventiv tätig zu werden, beitragen.