Datendigitalisierung der Bielefelder Rechtsextremismus-Studie 1985-1989

 

Das Projekt

Die von Wilhelm Heitmeyer geleitete Bielefelder Rechtsextremismus-Studie 1985-1989 war ein Meilenstein der Erforschung extremistischer Gesinnungen. Unter der Leitfrage: „Welchen Einfluss hat soziale Ausgrenzung (Arbeitslosigkeit) auf politische (neofaschistische) Orientierungsmuster Jugendlicher in Abhängigkeit von ihrer Einbindung in ihr soziales Lebensumfeld?“ wurde der Fokus auf die Arbeitsorientierung, politische Orientierung, Identität und Milieueinbindung gelegt. Ziel der Untersuchung war es, die politische Sozialisation von Jugendlichen aus Arbeiterfamilien im Zusammenhang mit der Bedrohung durch Arbeitslosigkeit und neofaschistische Orientierungsmuster zu ergründen.

Das IKG macht mit diesem Digitalisierungsprojekt die Interview-Transkripte der damaligen Studie einer größeren Fachöffentlichkeit für Sekundäranalysen zugänglich. Dazu haben zwei Mitarbeiter des IKG die weitgehend erhaltenen maschinengeschriebenen Transkripte der Studie und weitere Materialien digitalisiert, um Fehler bereinigt und auf Datenschutzkonformität geprüft. Die über die Erhebungsjahre variierenden Transkriptionskonventionen wurden vereinheitlicht.

Stichprobe

Die Stichprobe der Rechtsextremismus-Studie bestand aus 40 männlichen Personen. Es wurden nur Männer ausgewählt, da man 1985 annahm, dass hauptsächlich Männer dazu neigten, in neofaschistische Kreise zu geraten. Um die Wirkung bestimmter Faktoren (Arbeitslosigkeit, politische Sozialisation und Schulabschluss) zu beobachten, wurden die Probanden in verschiedenen sozialräumlichen Milieus (Wohnorten) rekrutiert sowie zu gleichen Teilen Arbeitslose und Auszubildende befragt. Die Stichprobe teilte sich in 20 Auszubildende und 20 Arbeitslose. Davon waren jeweils zehn wohnhaft in einem Arbeiterviertel und zehn wohnhaft in einem Wohngebiet mit sozialer Mischstruktur.

Die Studie wurde als qualitative Langzeitstudie von 1985 bis 1989 durchgeführt. Über die Jahre hinweg wurden immer dieselben Personen befragt. Es handelt sich also um eine Panelstudie. Die Interviews waren teilstrukturiert sowie halbstandardisiert. Sie wurden mit Hilfe eines Leitfadens durchgeführt, der ebenfalls zur Verfügung gestellt wird.

Inhalte

Die Interviews gliederten sich in fünf Abschnitte:

  • momentane Situation in Arbeit bzw. Schule
  • Lebenssituation: Partnerschaft, Familie und Freunde; prägende Lebensereignisse, Einschätzung der Zukunft
  • Politische und gesellschaftliche Probleme, z. B. Asylsuchende, Einwanderer, Aussiedler
  • Kartenabfrage: Statements zu aktuellen Themen, zu denen die Befragten sich äußern sollten
  • "Inselfrage": Assoziationen zu einer fiktiven Gesellschaft, die sich auf einer einsamen Insel entwickelt

Daneben wurden Fragen zur persönlichen Entwicklung sowie Desintegrations- und Gewalterfahrungen gestellt.

Veröffentlichung der Studie

Heitmeyer, Wilhelm (Hrsg.) (1992): Die Bielefelder Rechtsextremismus-Studie – Erste Langzeituntersuchung zur politischen Sozialisation männlicher Jugendlicher. Weinheim und München: Juventa.

Bereitgestelltes Datenmaterial

Für Sekundäranalysen werden 125 Interviews mit 36 verschiedenen Personen zur Verfügung gestellt. Das Material hat einen Umfang von 2.064.199 Wörtern bzw. über 10 Millionen Zeichen, was ungefähr 5.700 Druckseiten entspricht. Es existiert in textverarbeitungsfähigen und druckbaren Dateivarianten (RTF, PDF) sowie in einer feldorientierten Datenbankvariante, die maschinelle Analysen erlaubt.

Nutzungsbedingungen

Der gesamte Datenbestand steht für sozialwissenschaftliche Sekundäranalysen zur Verfügung. Der Datenzugang erfordert den Abschluss eines Datennnutzungsvertrags, der datenschutzrechtliche, urheberrechtliche und forschungsethische Fragen regelt. Näheres teilt die Leitung des Instituts für interdisziplinäre Konflikt und Gewaltforschung auf Anfrage mit.

Kontakt: sekretariat.ikg@uni-bielefeld.de

Laufzeit des Digitalisierungsprojekts

01.03.2016 - 31.03.2017

 

Finanzierung

Eigenmittel des IKG

 

Projektleitung

Prof. Dr. Andreas Zick

 

Projektmitarbeiter

Stephan Assmann, B. A.

Linus Windt, B. A.

Dr. Kurt Salentin (technische Beratung)