Forschungsverbund "Entsolidarisierung und ihre sozialen und politischen Folgen"

Kurzbeschreibung
Untersuchungsgegenstand des vom IKG initiierten Forschungsverbundes „Entsolidarisierung“ waren Fragen der Ermittlung von Art und Umfang von Entsolidarisierungen zwischen gesellschaftlichen Gruppen in der Bundesrepublik Deutschland, die Identifikation zentraler Erklärungsmuster hierfür und die Bewertung daraus u.U. resultierender Folgen für die Integrationsfähigkeit von Gesellschaft wie z.B. die Ausgrenzung von Minderheiten oder politische Systemablehnungen.
Das Bielefelder Teilprojekt konzentrierte sich dabei insbesondere auf die Fragen, ob und welche Verschärfung sozialer Gegensätze als Entsolidarisierung interpretiert wird (z.B. als Herausziehen einzelner Gruppen aus der Produktion des gesellschaftlichen Kollektivguts), welchen Einfluss hierbei die jeweiligen Gerechtigkeitsnormen, Solidaritätserwartungen und Zurechnungsmuster haben, ob die Erfahrung von Entsolidarisierung Folgen für die eigene Solidaritätsbereitschaft (gegenüber anderen sozialen Gruppen bzw. hinsichtlich der Befürwortung oder Ablehnung spezifischer Wohlfahrtsmodelle) impliziert und inwieweit hierdurch Reaktionsmuster wie Fremdenfeindlichkeit, Politikverdrossenheit oder auch Sozialdarwinismus begünstigt werden.
Geprüft wurden u.a. Hypothesen, wonach
• insbesondere eigene Integrations-Desintegrationszustände primär verantwortlich sind für spezifische Formen der Problemverarbeitung auch in Form politischer Einstellungsmuster
• die jeweilige Art der dominierenden Problemzurechnung (als individuelle, kollektive oder sachbezogene Verantwortungszuschreibung) einen verstärkenden oder abschwächenden Effekt auf diesen Zusammenhang hat und
• Eigennormen in Form der je favorisierten Gerechtigkeitsnormen (Leistungs-, Bedürfnis- oder Verteilungsgerechtigkeit) wie auch spezifische Formen der Solidaritätserwartung (Face to Face, Reziprozität zwischen Gruppen, Solidarität auch unter Ungleichen) ebenfalls einen moderierenden Effekt zeitigen sollten.
Im Ergebnis zeigt sich, dass die Wahrnehmung sozialer Polarisierung tatsächlich häufig auch Entsolidarisierungsinterpretationen nach sich zieht, und deshalb nicht unabhängig von den spezifischen Integrations-Desintegrationszuständen der betroffenen Personen gesehen werden kann. Das Eingebundensein in spezifische Integrations-Desintegrationszustände erweist sich dabei als wirksamer Prädiktor für politische Einstellungen der untersuchten Art und wird durch die genannten Moderatorvariablen beeinflusst. Neben den stärker hypothesenbezogenen Teilergebnissen zeigen sich relevante Teilergebnisse in Bezug auf die empirisch beobachtbare soziale Polarisierung u.a. in einem im Zeitvergleich gegenüber früheren repräsentativen Untersuchungen deutlich rückläufigen Gerechtigkeitsempfinden insgesamt und in der Gegenläufigkeit der Wahrnehmung von Polarisierungen (vertikale vs. horizontale Ungleichheitsdimension).
Laufzeit
01.10.2000-30.09.2003
Drittmittelprojekt
ja
Projektleitung
Herr Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer
Herr Dr. Reimund Anhut
Beteiligte Einrichtungen
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung
Gefördert durch
Ministerium für Wissenschaft und Forschung, NRW