Fremdheitsbilder im Konflikt. Zur symbolischen Konstruktion der Konflikte um islamische Raumsymbole.

Kurzbeschreibung
In Deutschland wie in anderen westeuropäischen Staaten - Österreich, Schweiz, Italien, Spanien - sind Konflikte um islamische Raumsymbole von besonderer Bedeutung. Sie entwickeln sich in Reaktion auf lokale Moscheebauprojekte, wirken aber oft weit über den Kreis der unmittelbar Betroffenen, die Zone direkter Nachbarschaft, hinaus. Zugleich setzen sich die Ingroup-Outgroup-Konflikte in interne Binnenkonflikte der Mehrheitsgesellschaft um: Gegen die Kritiker von Moscheebauten rufen zivilgesellschaftliche Initiativen zur Verteidigung religiöser Grundrechte auf; jene finden wiederum in der Migrantenbevölkerung bei intellektuellen Repräsentanten einer radikalen Islamkritik Unterstützung. Das Konfliktfeld wird umso unübersichtlicher, als die Konfliktgegner gleichermaßen auf universalistische Normbezüge Bezug nehmen.

Das Projekt untersucht die Sinnstruktur der Konfliktkommunikation in diesen Auseinandersetzungen um islamische Raumsymbole. Ziel der Untersuchung ist eine wissenssoziologische Hermeneutik dieses Konflikttypus (wobei der Untersuchungsfokus auf den Akteurskreisen der Mehrheitsgesellschaft liegt). In der wissenssoziologischen Analyse der im Konflikthandeln wirksamen Klassifizierungs-, Rechtfertigungs- und Deutungsoperationen werden die Fremd- und Selbstbilder der Akteure im Zusammenhang mit den normativen Ordnungskonzepten und Weltsichten rekonstruiert. Dazu werden vier lokale Fallstudien durchgeführt, die differentielle Kontextbedingungen und ihre Effekte auf die Konfliktkommunikation berücksichtigen.

Das Vorhaben wird in Kombination verschiedener methodischer Ansätze umgesetzt: Dokumentenanalyse und Befragungen in problemzentriert-narrativen und diskursiven Interviews. Die Auswertung orientiert sich an der Grounded Theory, die für ausgewählte Schlüsseltexte durch sequenzanalytische Verfahren der sozialwissenschaftlichen Hermeneutik ergänzt wird.
Laufzeit
01.06.2011 - 31.05.2014
Drittmittelprojekt
ja
Projektleitung
Herr Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer
ProjektmitarbeiterInnen
Dr. Armin Steil
Dipl. Soz.wiss. Kerstin Palloks
Beteiligte Einrichtungen
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung
Gefördert durch
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)