Gruppenkonflikte in kleinen Stadtgesellschaften mit hohem Aussiedleranteil: Eine aktivierende Sozialanalyse zur Stärkung von Integrationspotenzialen

Kurzbeschreibung
Projektskizze:
Die wissenschaftliche Debatte um Probleme der Integration von Aussiedlern und Spätaussiedlern hatte den sozialräumlichen Kontext vernachlässigt und daher die konkreten Konflikte vor Ort sowie deren Folgen für die Stadtgesellschaften nicht zureichend erfassen können. Das Forschungsprojekt zielte darauf, zur Beseitigung dieses Defizits beizutragen. Es ging ihm darum, den Wandel und/oder die Kontinuität der Konflikt- und Machtbeziehungen (Figurationen) zwischen alteingesessenen und zugewanderten Gruppen der Stadtgesellschaft (Aussiedler und türkischstämmige Immigranten) zu untersuchen und die von Stadtgesellschaft zu Stadtgesellschaft variierenden und auf lokalhistorische wie auch biographische Lernprozesse basierenden Integrations- und Konfliktprozesse zu durchleuchten.

Das Forschungsvorhaben griff dabei auf einen bewährten Ansatz zurück, der speziell auf die Erforschung von Intergruppenbeziehungen und Konflikten in der Stadtgesellschaft zugeschnitten ist, nämlich die gemeindebezogene Figurationsanalyse. Norbert Elias und John Scotson führten sie einst in ihrer berühmten Gemeindestudie mit dem Titel „Etablierte und Außenseiter“ exemplarisch durch. Ihr Ansatz wurde in drei Hinsichten erweitert, um sowohl der aktuellen Konflikt- und Integrationssoziologie als auch vor allem dem Forschungsgegenstand gerecht zu werden:

Er wurde erstens um eine komparative Dimension ergänzt: 1. Nicht Konflikt- und Machtfigurationen in einer, sondern in drei Stadtgesellschaften werden vergleichend untersucht. 2. Nicht stabile sondern durch Integrations- und Konfliktprozesse dynamisierte Figurationen standen im Fokus der Beobachtung. 3. Das Forschungskonzept ging zudem insofern über eingespielte Traditionen der empirischen Sozialforschung hinaus, als es den beteiligten Sozialforschern die Möglichkeit eröffnete, noch während des Forschungsprozesses auf die jeweiligen Stadtgesellschaften zurückzuwirken.

Zu den Ergebnissen des Projekts, siehe:
Jörg Hüttermann (2010): Entzündungsfähige Konfliktkonstellationen. Eskalations- und Integrationspotentiale in Kleinstädten der Einwanderungsgesellschaft (Mit einem Beitrag von Alexander Mewes). Weinheim und München: Juventa.
Laufzeit
01.01.2005-31.12.2007
Drittmittelprojekt
ja
Projektleitung
Herr Dr. Jörg Hüttermann
Beteiligte Einrichtungen
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung
Gefördert durch
Bundesministerium für Bildung und Forschung, BMBF