Kontrolle der Gewalt

Kurzbeschreibung
Die ZiF Forschungsgruppe Kontrolle der Gewalt begann ihre Arbeit im Oktober 2007. Sie befasste sich aus historisch und international vergleichender Perspektive mit der Frage, wie sich Gewaltformen verändern und welche Folgen dies für die Möglichkeiten ihrer Kontrolle hat. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Eskalationsprozesse in zunehmend erratischer Weise zu verlaufen scheinen und von den relevanten Kontrollorganen und -regimes wie Polizei, staatlichen Überwachungseinrichtungen, Präventionsprogrammen, oder Mechanismen des Internationalen Rechts nicht mehr in adäquater Weise verhindert, begrenzt, und gestoppt werden können. Aber ist diese Wahrnehmung zutreffend? Haben wir es tatsächlich mit einem zunehmenden Verlust von Kontrolle der Gewalt zu tun, oder gibt es auch Kontrollgewinne, die in ihrer Auswirkung auf soziale Entwicklungen untersucht werden müssen? Und wie kann Kontrolle der Gewalt in modernen Gesellschaften realisiert werden? Die Forschungsgruppe befasste sich mit diesen Fragen anhand von drei Phänomenbereichen, die in besonderer Weise das Problem der Kontrolle von Gewalt veranschaulichen: Schulamokläufe, Terrorismus und Gewalt im Zusammenhang mit der Erosion von Staaten. Für dieses anspruchsvolle Unterfangen konnten 14 Fellows und fünf assoziierte Mitglieder verschiedener Fachrichtungen und Nationalitäten gewonnen werden. So war es möglich, der Frage nach der Kontrollierbarkeit von Gewalt aus multidisziplinärer Perspektive zu diskutieren. Den Auftakt des Forschungsjahres bildete vom 17. bis 20. Oktober 2007 die mit Unterstützung der Thyssen-Stiftung durchgeführte Eröffnungstagung. Die im Verlauf dieser Konferenz aufgeworfenen Fragen und Diskussionslinien konnten in wöchentliche Treffen der Forschungsgruppen und einer Reihe von Gastvorträgen weiterentwickelt werden. Es folgten im April und Juni 2008 von der Deutschen Stiftung Friedensforschung und von der Volkswagenstiftung unterstützte Workshops zu den Schwerpunktthemen „Kontrolle der Gewalt – Erklärungsmodelle terroristischer Gewalt“ (10.-12.04.2008) und „Kontrolle der Gewalt im Kontext ‚fragiler’ Staaten“ (05.-07.06.2008). Die Forschungsgruppe erwies sich als ausgesprochen fruchtbarer Diskussionszusammenhang, in dessen Rahmen innovative Perspektiven aber auch weiterführende Fragen zur Kontrolle von Gewalt aufgeworfen wurden. Ihre Ergebnisse wurden auf der mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Abschlusstagung vom 10.-13. September 2008 präsentiert und bilden die Grundlage für eine Buchpublikation bei Springer New York, die im Herbst 2010 erscheint.

Laufzeit
01.11.2006-31.10.2009
Drittmittelprojekt
ja
Projektleitung
Frau Dr. Barbara Kaletta
Frau Dipl.-Sozw. Andrea Kirschner
Heitmeyer, Wilhelm; Haupt, Heinz-Gerhardt
Beteiligte Einrichtungen
Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie/Abteilung Geschichte
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung