Sexuelle Belästigung und Soziosexualität

Kurzbeschreibung
Sexuelle Belästigung und Soziosexualität
Sexueller Belästigung liegen insbesondere zwei Motive zugrunde: Machtausübung und (von der Zielperson unerwünschte) sexuelle Kontaktanbahnung. Fragebogenskalen erlauben die valide Erfassung individueller Dispositionen für jedes der beiden Motive: Der Machtaspekt wird mit der Skala zur Erfassung der Neigung zur Ausübung sexueller Belästigung (NSB) erfasst, der Aspekt der Kontaktanbahnung von Fragebogen zur soziosexuellen Kurzzeitorientierung (SKO).
Im Projekt werden zwei Fragestellungen bearbeitet:
(1) die empirische Abgrenzung der Konstrukte NSB und SKO in Bezug auf sexuell belästigendes Verhalten;
(2) der Nachweis einer doppelten Dissoziation beider Konstrukte bei der Vorhersage von feindselig-abwertenden vs. sexuelle Kontakte anbahnenden Formen belästigenden Verhaltens.
Ziel des Projekts ist der Erkenntnisgewinn über das Zusammenspiel von Merkmalen der Situation und der Zielperson sexueller Belästigung mit chronischen Motivdispositionen potentieller Täter bei der Vorhersage sexuell belästigenden Verhaltens.

Erste Ergebnisse (Diehl, Vanselow, & Bohner, 2010):
(1) Daten einer korrelativen Vorstudie (N = 145) lieferten Hinweise auf die Unabhängigkeit von NSB und SKO voneinander (r = .06, p = .72) und auf einen für NSB spezifischen positiven Zusammenhang mit Einstellungen, die Frauen abwerten, wie hostilem Sexismus und der Akzeptanz von Mythen über sexuelle Aggression und Belästigung (rs > .34, ps < .05).
(2) Außerdem zeigte sich in einer ersten Studie (N = 165), dass Männer mit hoher Ausprägung von NSB (gemessen mit der von uns entwickelten deutschen NSB-Skala; Vanselow, Bohner, Becher, & Siebler, 2010) in einer computersimulierten Chatsituation ihrer Chatpartnerin mehr sexistische Witze schickten, während Männer mit hoher Ausprägung von SKO (gemessen mit dem Sociosexual Orientation Inventory; Jackson & Kirkpatrick, 2007) mehr "schlüpfrige" Bemerkungen verschickten. Die durch die Probanden präferierte Form sexueller Belästigung ließ sich also differentiell durch deren Neigung, sexuell zu belästigen, und deren sexuelle Kurzzeitorientierung vorhersagen.
Explizite ablehnende Rückmeldungen durch die Zielperson führte generell zu weniger sexuell belästigendem Verhalten für beide Belästigungsformen.

Laufzeit
01.05.2010-31.10.2011
Drittmittelprojekt
ja
Projektleitung
Herr Prof. Dr. Gerd Bohner
Frau Dr. Nina Vanselow
Frau Charlotte Diehl
Beteiligte Einrichtungen
Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft/Abteilung für Psychologie
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung
Gefördert durch
Deutsche Forschungsgemeinschaft