Soziale Konstellationen zur Erklärung von Gewalt

Kurzbeschreibung

Ziel des Forschungsprojektes ist die empirische Verknüpfung der Control Balance Theory (Charles Tittle) und der Theorie der sozialen Desintegration (Reimund Anhut/Wilhelm Heitmeyer), um durch die Kombination diverser theoretisch relevanter Kategorien von sozialen Erfahrungen, deren situativer Interpretation und daran anschließender Handlungen sowie des sozialen Kontextes Gewalt im Jugendalter besser voraussagen zu können. Wir gehen von einem großen Innovationspotenzial dieser Theorieverknüpfung aus, da diese nicht nur zu einer inhaltlichen Ergänzung führt, sondern auch darauf abzielt, genauere Annahmen über das Ausmaß individuellen Gewaltaufkommens zu treffen. Um unsere Hypothesen zu prüfen, bedarf es empirischer Daten, die anhand einer qualitativen Vorstudie mit Fokusgruppen, aber vor allem in Form eines standardisierten Surveys mit SchülerInnen der neunten Jahrgangsstufe gewonnen wurden. Zur Vertiefung und Ergänzung der so gewonnenen Erkenntnisse erfolgten qualitative Interviews, in denen offene Fragen diskutiert und zusätzliche Informationen gewonnen werden konnten. Die Studie wird neben dem Vergleich der Geschlechter und verschiedener ethnischer Gruppen dem Vergleich der Erkenntnisse unter verschiedenen Rahmenbedingungen der Lebensbedingungen dienen, um die Aussagekraft der Daten zu steigern. Qualitativ befragt wurden Jugendliche im Alter des Übergangs von der Jugend ins Erwachsenenalter, die Unsicherheiten in diesem Lebensabschnitt in modernen Gesellschaften berücksichtigend. Dieses Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit Charles Tittle durchgeführt. Die Datenerhebung ist inzwischen komplett abgeschlossen. Durchgeführt wurden zunächst drei Fokusgruppeninterviews mit jeweils sechs Neuntklässlern. Dabei handelte es sich um fünf Mädchen und 13 Jungen. Zudem erfolgte ein Pretest des Fragebogens mit 190 Neuntklässlern. Es wurden 66 HauptschülerInnen, 58 RealschülerInnen und 67 Gymnasiasten befragt und es nahmen 72 Mädchen und 118 Jungen teil. In der anschließenden Haupterhebung wurden mit dem fertigen Instrument 1924 Neuntklässler in sieben verschieden Städten befragt. Dabei handelte es sich in 23,2% der Fälle um HauptschülerInnen, in 33,6% um RealschülerInnen, in 21% um GesamtschülerInnen und in 22,1 um Gymnasiasten. Mädchen waren in der Befragung leicht unterpräsentiert (47,4%). Die abschließende qualitative Befragung enthielt 43 Jugendliche im Alter zwischen 13 und 19 Jahren. Besucht wurden in 23 Fällen die Hauptschule, achtmal Gesamtschulen, fünfmal Förderschulen, dreimal Berufskollegs sowie jeweils zweimal Realschulen und Gymnasien. Befragt wurden mit 35 Jungs vor allem männliche Jugendliche, aber auch acht Mädchen. Zudem erfolgten zehn Experteninterviews mit drei weiblichen und sieben männlichen Fachkräften. Darunter waren sechs MitarbeiterInnen aus den Bereichen Jugendtreffs und offene Jugendsozialarbeit sowie jeweils zwei aus den Bereichen Jugendgerichtshilfe und Pädagogen bzw. Lehrer.

Laufzeit
01/2013-06./2018

Projektleitung
Dr. Wilhelm Heitmeyer

Projektmitarbeiter*innen
Dr. Steffen Zdun
Dipl.-Soz. Daniela Krause
Dipl.-Soz. Stefan Kanis

Förderung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)