Geschichte der Universität Bielefeld

Gründung und Aufbau (1965 bis 1976)

 

1965
Extrablatt des Westfalen-Blattes vom 9. November 1965 zur Standortfindung für die "Universität im ostwestfälischen Raum".

1968
Grundsteinlegung für das Aufbau- und Verfügungszentrum der Universität Bielefeld am 21. Juni 1968 durch den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Heinz Kühn.

1969
Am 5. September 1969 konstituierte sich der Senat der Universität Bielefeld und wählte den Juristen Ernst-Joachim Mestmäcker zum Gründungsrektor der neuen Universität.

1969
Die Immatrikulation des ersten Studenten der Universität Bielefeld am 23. Oktober 1969 durch Regierungsoberinspektor Hunold (sitzend). Prorektor Grotemeyer (Mitte) und Universitätskanzler Firnhaber waren die ersten Gratulanten des Mathematikstudenten Günther Quandt.

1969
Am 17. November 1969 wurde die Universität Bielefeld nicht mit einem feierlichen Festakt, sondern durch die Aufnahme des Lehrbetriebs gegründet. Der Rechtswissenschaftler Günther Dickel hielt die erste Vorlesung.

 

1969
Die Soziologieprofessoren Niklas Luhmann, 1968 der erste Professor der Bielefelder Universität, Helmut Schelsky, Bildungsplaner und Planer der "Reformuniversität" Bielefeld, sowie der spätere langjährige Prorektor Dietrich Storbeck bei der Fakultätskonferenz der Soziologen am 17. November 1969.

1974
Im Rahmen seines Abschiedsbesuches des Landes Nordrhein-Westfalen besuchte Bundespräsident Heinemann am 22. Mai 1974 auch das Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld. Heinemann und der nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister Johannes Rau wurden von Rektor Grotemeyer begrüßt.

1968/1973/1975
Eine Universität wächst aus dem Boden. Ende der 60er Jahre ist das spätere Universitätsgelände noch unberührtes Getreidefeld (im Hintergund der Bau des Aufbau- und Verfügungszentrums, oben). Im Juli 1973 ragen bereits die Türme des Universitätshauptgebäudes in die Höhe (Mitte). 1975 sind die Bauarbeiten abgeschlossen (unten).

Anfang 1965 erteilte der nordrhein-westfälische Kultusminister Paul Mikat dem Münsteraner Soziologen Helmut Schelsky den Planungsauftrag für eine "Universität im ostwestfälischen Raum". Bereits Ende 1965 konstituierten sich der Gründungsausschuss und der Wissenschaftliche Beirat der zu gründenden Hochschule. Beiden Gremien gehörten bereits viele spätere Bielefelder Professoren an. Dazu zählten der Philosoph Hermann Lübbe, der Sprachwissenschaftler Harald Weinrich, die Juristen Ernst-Wolfgang Böckenförde und Werner Maihofer, der Historiker Reinhart Koselleck, der Pädagoge Hartmut von Hentig, der Soziologe Niklas Luhmann. Gleichzeitig gründete sich mit der Westfälisch-Lippischen Universitätsgesellschaft eine Einrichtung, die sich zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Politik und Wirtschaft der Region sowie der im Gründungsprozess befindlichen Hochschule entwickelte.

Die auf Grundlage der Konzeption Helmut Schelskys im Juli 1967 vom Gründungsausschuss beschlossenen "Empfehlungen für die Universität Bielefeld" bildeten die Planungsgrundlage für die "Reformuniversität" Bielefeld. Die Idee war, im deutschen Universitätssystem eine Ausnahmeuniversität zu schaffen, mit dem Primat der Forschung, der Einheit von Forschung und Lehre sowie der Verbindung von Wissenschaft und Praxis. Hinzu kam - seinerzeit einmalig in Deutschland - das Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF), das Forschung über die Fächergrenzen hinweg initiieren und fördern sowie die Isolierung der einzelnen Wissenschaftsdisziplinen verhindern sollte. Vor dem Hintergrund der Studentenproteste und der wachsenden Studentenbewegung, aber auch in einer reformorientierten und reformfreudigen Zeit versuchte man in Bielefeld, verstaubte Traditionen mit dem "Muff von tausend Jahren" gar nicht erst in die neue Universität hineinzulassen. Sich stetig verschlechternde Rahmenbedingungen mit stark steigenden Studierendenzahlen bei gleichzeitig sinkenden Finanzmitteln sorgten allerdings dafür, dass Abstriche an der Gründungskonzeption einer "Reformuniversität" gemacht werden mussten, auch wenn die Universität ihr eigenes Profil mit den Leitbildern Forschungsorientierung und Interdisziplinarität erhalten konnte.

Bereits im November 1969 nahm die Universität Bielefeld den Lehrbetrieb mit zunächst drei Fakultäten - Mathematik, Rechtswissenschaft und Soziologie - und 270 Studierenden auf. Es folgten die Fakultäten Pädagogik, Philosophie und Psychologie (1971), Linguistik und Literaturwissenschaft sowie Physik (1972), Geschichtswissenschaft (1973), Wirtschaftswissenschaften (1974), Chemie (1975) und Biologie (1976). Mit nunmehr zehn Fakultäten und annähernd 5000 Studierenden waren die Aufbauplanungen des Gründungsausschusses und der Universität aus dem Jahre 1970 erreicht. Die Fertigstellung des Universitätshauptgebäudes im Jahre 1976 markierte dann auch äußerlich das Ende der Aufbau- und Gründungsphase der Universität Bielefeld.


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