1977 - 1982

 

Mitte der 70er Jahre war die Ölkrise Sinnbild und Mitauslöser der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Hohe Arbeitslosenzahlen, die steigende Verschuldung der öffentlichen Haushalte und ein wachsendes Bewusstsein für Umweltprobleme dämpften den Fortschrittsglauben. Die Hochschulen erlebten unter dem Eindruck des "Radikalenerlasses", seiner Ausführungsrichtlinien und der damit verbundenen "Berufsverbote" sowie des "Deutschen Herbstes" 1977 eine weitere Politisierung. Auf studentischer Seite betätigten sich unzählige K-Gruppen, orthodoxe und nicht-orthodoxe Marxisten, Maoisten, Kommunisten, Sozialisten. Im Zuge der aufkommenden Umweltbewegung formierten sich darüber hinaus die ersten grün-alternativen Studierendengruppen, zunächst als Basislisten, an den Bielefelder Hochschulen. Die Politisierung der Universität trübte zwischenzeitlich das Verhältnis der "linken" Universität zur eher konservativ geprägten Stadt. Diesen Irritationen begegnete man auf Seiten der Universität unter anderem durch die erstmals und mit großem Erfolg durchgeführten "Universitätstage" 1977 und 1978 sowie mit dem in großem Rahmen gefeierten zehnjährigen Jubiläum 1979.

Seit 1978 - "Verabschiedung des Zusammenführungsgesetzes" von Pädagogischer Hochschule Westfalen-Lippe, Abteilung Bielefeld, und Universität Bielefeld - musste die noch junge Universität enorme Anstrengungen zur Integration unternehmen. Die Bewältigung dieser offiziell am 1. April 1980 abgeschlossenen Aufgabe beanspruchte die Kräfte der Universität für die Dauer von über drei Jahren stark und veränderte ihre Struktur. Parallel dazu führte die Bildungsreform unter anderem zu einem erweiterten Bildungs- und Hochschulzugang, so dass 1982 über 12.500 Studierende, und damit 1000 mehr als in den veränderten Planungen vorgesehen, an der Universität eingeschrieben waren. Überfüllte Hörsäle und eine bisher nicht gekannte Wohnraumisere waren die Folgen. Schließlich erließ die Landesregierung 1981/82 noch massive Sachmittel- und Stellenkürzungen, gegen die die Universität mit allen Mitteln protestierte. Trotz all dieser Belastungen waren die Verwerfungen an der Universität Bielefeld weniger stark als an anderen Hochschulen.

Grundkonsens war selbst in krisenhaften Zeiten, dass in einer insgesamt liberal geprägten und auf Ausgleich bedachten Atmosphäre Meinungsverschiedenheiten, Auseinandersetzungen und Konflikte innerhalb der Hochschule in fairer Weise ausgetragen wurden, was auch am politischen Stil der Universitätsleitung lag. Mit Karl Peter Grotemeyer (Rektor von 1970 bis1992) und Eberhard Firnhaber (Kanzler von 1968 bis 1989) lenkten zwei Persönlichkeiten die Geschicke der Universität, die Einflussnahmen von außen durch konsequenten Einsatz für "ihre Hochschule" begegneten. Die junge Universität hatte die ersten großen Bewährungsproben bestanden.


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