1983 - 1991

 

Kaum war die Integration der Pädagogischen Hochschule geglückt und die ersten Kürzungspläne der Landesregierung zumindest teilweise abgewehrt, veränderten sich in den folgenden Jahren die allgemeinen wissenschafts- und hochschulpolitischen Rahmenbedingungen grundlegend. Zwischen einem steigenden Innovations- und Umstrukturierungsbedarf und einem durch geringer werdende Ressourcen verkleinerten Handlungsspielraum entstand eine zunehmend größere Diskrepanz. Ein verschärfter Wettbewerb der Hochschulen untereinander war die Folge. Statt Abwarten und "Einigelung" setzte das Rektorat der Universität auf Offensive durch eine innovative Strukturpolitik, um den längerfristigen Bestand der Universität zu sichern und eine möglichst große Beweglichkeit zu erhalten. Kooperationen mit ausländischen Hochschulen und neue Studiengänge, wie Naturwissenschaftliche Informatik, Wirtschaftsmathematik oder Sportwissenschaft, sollten die Universität bei Studienanfängern und Studierenden attraktiver machen. Bielefeld setzte konsequent den Weg fort, sich als Forschungsuniversität einen Namen zu machen. Neue Forschungsschwerpunkte wurden trotz abnehmender Ressourcen gefördert, Graduiertenkollegs eingerichtet und das Drittmittelaufkommen enorm gesteigert. 1983 förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft den ersten Bielefelder Sonderforschungsbereich, vier weitere folgten allein bis 1989. Weitere neue Schwerpunkte in der Wissenschaft wie die Genomforschung kristallisierten sich heraus. Schließlich gelang mit der Gründung der seit 1984 geplanten und interdisziplinär ausgerichteten Technischen Fakultät mit den Abteilungen Biotechnologie und Informationstechnik eine strukturpolitische Maßnahme, die im deutschen Hochschulwesen einmalig war und ist.

Nach den unruhigen 70er Jahren und der auch in die Universitäten hineinreichenden Nachrüstungsdebatte der frühen 80er Jahre folgte eine Phase der politischen Beruhigung an den bundesdeutschen Hochschulen. Auch an der Universität Bielefeld verschwanden die K-Gruppen. Zunächst dominierten die sogenannten GO-Kräfte (Gewerkschaftliche Orientierung) wie MSB, SHB und Jusos. Im Januar 1983 wurde die Gründung einer grün-alternativen Gruppierung geplant. Bereits in der zweiten Hälfte der 80er Jahre wurden grüne Gruppierungen wie die Erste Grün-Alternative Liste (EGAL) zur stärksten politischen Kraft im Studierendenparlament. Insgesamt aber wurde die Studierendenschaft heterogener und autonomer.

In einer Phase historischer Ereignisse - Glasnost, Perestroika und Deutsche Einheit - besann sich auch die Universität Bielefeld ihrer Geschichte. 1983 ernannte die Universität ihre "Gründungsväter" Eberhard Freiherr von Medem, Ernst-Joachim Mestmäcker, Paul Mikat und Helmut Schelsky zu ersten Ehrensenatoren. 1985 folgten mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Herbert Hinnendahl, dem ehemaligen Oberstadtdirektor Heinz-Robert Kuhn und dem ehemaligen Regierungspräsidenten Ernst Graumann die ersten Ehrenbürger. Mit einer Festwoche feierte die Universität ihr 20jähriges Jubiläum 1989. Im selben Jahr wurde nach über 20 Jahren der Kanzler der Universität Eberhard Firnhaber verabschiedet und Rektor Karl Peter Grotemeyer zum sechsten Mal wiedergewählt.


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