Geschichte der Universität Bielefeld

Zwischen Defensive und Innovation (1983 bis 1991)

 

1983
Siegerehrung beim traditionellen Fakultätenturnier am 18. Juni 1983: Rektor Grotemeyer überreichte den Pokal an die Siegermannschaft Sport II.

1984
Prominenter Besuch im Krallenaffenzentrum des Instituts für Verhaltensforschung im Sommer 1984. Bernhard Grzimek zusammen mit dem Bielefelder Verhaltensforscher Klaus Immelmann.

1985
Der "geduldige Lehrer der Menschen" inmitten der Schüler und Kollegiaten der 1974 eröffneten Bielefelder Schulprojekte, Laborschule und Oberstufenkolleg. Feier zum 60. Geburtstag des Reformpädagogen Hartmut von Hentig am 23. September 1985.

1985
Zu Beginn der Disputs "Dürfen wir alles, was wir können?" im Rahmen der Vortragsreihe "Grenzen der Forschung" am 2. Dezember 1985 im Audimax kam es zum Eklat. Gegner der Gentechnologie überschütten den ehemaligen Bundesverfassungsgerichtspräsidenten Ernst Benda (links) und den Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann mit Mehl.

1987
Zum zehnjährigen Chorjubiläum am 11. November 1987 führte der Bielefelder Universitätschor unter der Leitung von Werner Hümmeke im Audimax die "Carmina burana" von Carl Orff auf.

1990
Ein Novum in der Hochschullandschaft. Am 21. Mai 1990 wurde in Anwesenheit von Wissenschaftsministerin Anke Brunn die Technische Fakultät mit den Abteilungen Biotechnologie und Informationstechnik gegründet. Von links: Rektor Grotemeyer, die Professoren Ipke Wachsmuth und Robert Giegerich, Ministerin Brunn, Universitätskanzler Karl-Hermann Huvendick und die Professoren Jürgen Lehmann und Erwin Flaschel.

1991
Der am 16. Januar begonnene "erste" Golfkrieg mobilisierte nicht nur die außeruniversitäre Öffentlichkeit. Studentische Vollversammlung in der Universitätshalle am 22. Januar 1991.

Kaum war die Integration der Pädagogischen Hochschule geglückt und die ersten Kürzungspläne der Landesregierung zumindest teilweise abgewehrt, veränderten sich in den folgenden Jahren die allgemeinen wissenschafts- und hochschulpolitischen Rahmenbedingungen grundlegend. Zwischen einem steigenden Innovations- und Umstrukturierungsbedarf und einem durch geringer werdende Ressourcen verkleinerten Handlungsspielraum entstand eine zunehmend größere Diskrepanz. Ein verschärfter Wettbewerb der Hochschulen untereinander war die Folge. Statt Abwarten und "Einigelung" setzte das Rektorat der Universität auf Offensive durch eine innovative Strukturpolitik, um den längerfristigen Bestand der Universität zu sichern und eine möglichst große Beweglichkeit zu erhalten. Kooperationen mit ausländischen Hochschulen und neue Studiengänge, wie Naturwissenschaftliche Informatik, Wirtschaftsmathematik oder Sportwissenschaft, sollten die Universität bei Studienanfängern und Studierenden attraktiver machen. Bielefeld setzte konsequent den Weg fort, sich als Forschungsuniversität einen Namen zu machen. Neue Forschungsschwerpunkte wurden trotz abnehmender Ressourcen gefördert, Graduiertenkollegs eingerichtet und das Drittmittelaufkommen enorm gesteigert. 1983 förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft den ersten Bielefelder Sonderforschungsbereich, vier weitere folgten allein bis 1989. Weitere neue Schwerpunkte in der Wissenschaft wie die Genomforschung kristallisierten sich heraus. Schließlich gelang mit der Gründung der seit 1984 geplanten und interdisziplinär ausgerichteten Technischen Fakultät mit den Abteilungen Biotechnologie und Informationstechnik eine strukturpolitische Maßnahme, die im deutschen Hochschulwesen einmalig war und ist.

Nach den unruhigen 70er Jahren und der auch in die Universitäten hineinreichenden Nachrüstungsdebatte der frühen 80er Jahre folgte eine Phase der politischen Beruhigung an den bundesdeutschen Hochschulen. Auch an der Universität Bielefeld verschwanden die K-Gruppen. Zunächst dominierten die sogenannten GO-Kräfte (Gewerkschaftliche Orientierung) wie MSB, SHB und Jusos. Im Januar 1983 wurde die Gründung einer grün-alternativen Gruppierung geplant. Bereits in der zweiten Hälfte der 80er Jahre wurden grüne Gruppierungen wie die Erste Grün-Alternative Liste (EGAL) zur stärksten politischen Kraft im Studierendenparlament. Insgesamt aber wurde die Studierendenschaft heterogener und autonomer.

In einer Phase historischer Ereignisse - Glasnost, Perestroika und Deutsche Einheit - besann sich auch die Universität Bielefeld ihrer Geschichte. 1983 ernannte die Universität ihre "Gründungsväter" Eberhard Freiherr von Medem, Ernst-Joachim Mestmäcker, Paul Mikat und Helmut Schelsky zu ersten Ehrensenatoren. 1985 folgten mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Herbert Hinnendahl, dem ehemaligen Oberstadtdirektor Heinz-Robert Kuhn und dem ehemaligen Regierungspräsidenten Ernst Graumann die ersten Ehrenbürger. Mit einer Festwoche feierte die Universität ihr 20jähriges Jubiläum 1989. Im selben Jahr wurde nach über 20 Jahren der Kanzler der Universität Eberhard Firnhaber verabschiedet und Rektor Karl Peter Grotemeyer zum sechsten Mal wiedergewählt.


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