Religionstheorie
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Religionstheorie: Religion als praktische Logik

Für die Untersuchung religiöser Praxis scheint eine zugleich an Akteuren als auch an gesellschaftlichen Strukturen orientierte Theorie wie die Pierre Bourdieus besonders geeignet. Dem entsprechend werden in Begleitung verschiedener empirischer Projekte zentrale Theoreme unter methodologischen und theoretischen Gesichtspunkten im Blick auf Religion weiterentwickelt.

Die Arbeit in allen religionssoziologisch orientierten Projekten läuft in der einen oder anderen Weise auf eine weitere Ausarbeitung und Vertiefung des soziologischen Ansatzes Pierre Bourdieus hinaus. Schäfer hat in einigen Forschungsprojekten dazu einen Entwurf ausgearbeitet, der auf einer Kombination der Habitustheorie mit der Theorie des sozialen Raumes basiert. Sie zielt vor allem darauf, religiöse Praxis theoretisch und methodisch als praktische Logiken von Akteuren zu verstehen, die sich je nach Positionierung im (sozialen) Raum der religiösen Stile positionsspezifisch ausdifferenzieren. Der wichtigste Ansatz hierfür ist die von Schäfer entwickelte Methode der Habitusanalyse, ausgehend vom Modell eines „praxeologischen Quadrats“ sowie die damit verbundene Theorie von Identität als einem partiell kohärenten Netzwerk von Wahrnehmungs-, Urteils- und Handlungsdispositionen.

Eine spezifische – für Konfliktverhalten aus Lagen sozialstruktureller Ungleichheit besonders relevante – Forschungsperspektive ist die der religiösen Identitätspolitiken, in denen religiöse Identitäten selbst zu politischen Strategemen werden (z.B.: Ethnoreligionen). Eine adäquate theoretische und empirische Erfassung dieser Strategien kommt ohne eine theoretisch und methodologisch klare Fassung des Zusammenspiels zwischen den Identitäten und dem Feld, auf dem sie zu Politik werden können, nicht aus. Ein gangbares Identitätskonzept scheint uns das der Identität als Netzwerk von Dispositionen zu sein, gerade in Abgrenzung zu den geschlossenen Konzepte der klassischen Moderne und dem Inkohärenz-Postulat der Postmoderne. Ein viables Modell für ein „identitätspolitisches Feld“ lässt sich aus der von Bourdieu erarbeiteten Feldtheorie entwickeln.

In einer parallel zu unseren empirischen Forschungsprojekten tagenden permanenten Forschungsgruppe aller Projektmitarbeiter arbeiten wir an der theoretischen Weiterentwicklung und methodischen Operationalisierung vor allem der folgenden bourdieuschen Theoreme für die spezifischen Fragestellungen der Religionsforschung: sozialer Raum als Raum der religiösen Stile, Feld, Kapital, Habitus, praktische Logik und Strategien, und zwar nicht nur im Blick auf nationale Gesellschaften, sondern auch – unter Berücksichtigung der Arbeiten von Castells – in transnationaler Perspektive.

Forscher:
Heinrich Schäfer
Jens Köhrsen
Leif Seibert
Adrián Tovar

 

Forschungsprojekt am Lichtenberg Kolleg (2011 / 12): HabitusAnalysis

For details see: HabitusAnalysis

 

Publikationen:

Schäfer: „Notizen zu religiöser Transnationalisierung – Lateinamerika“. Soeffner, Hans-Georg (ed.): Transnationale Vergesellschaftungen. Verhandlungen des 35. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Frankfurt am Main 2010. Wiesbaden: VS Verlag, 2011.

Schäfer: „Identity politics and the political field – a theoretical approach to modelling a ‘field of identity politics’”. In: Josef Raab, Sebastian Thies, Olaf Kaltmeier (ed.): Ethnicities under Construction: Inter-American Perspectives on Identity Politics. 2011. As pre-print (2009)

Schäfer: “The praxeological square as a method for the intercultural study of religious movements”. Cultures in Process: Encounter and Experience. Ed. Steve Gramley, and Ralf Schneider. Bielefeld: Aisthesis, 2009.

Schäfer: “Zum Religionsbegriff in der Analyse von Identitätskonflikten: Einige sozialwissenschaftliche und theologische Erwägungen [Langfassung]”. epd-Dokumentation 5 (2009): 6.

Schäfer: “Zum Religionsbegriff in der Analyse von Identitätskonflikten: Einige sozialwissenschaftliche und theologische Erwägungen [Kurzfassung]”. epd-Dokumentation 5 (2009): 6 - 16.

Schäfer: “Religion, Politik .. und? Zur Verankerung von religiöser Praxis in sinnlich-menschlicher Tätigkeit”. epd-Dokumentation 11/2008 (2008).

Schäfer: Antrittsvorlesung, 7. Juli 2006, veröffentlicht in längerer Fassung als „‚We gonna bin laden them!’ Überlegungen zu einer methodologisch-kommunitaristischen Friedensethik”. In: Zeitschrift für evangelische Ethik, 51. Jg., 2007, Nr. 3, S. 169-181. [download PDF]

Schäfer: „‚Die‘ Pfingstbewegung in Lateinamerika…? Zur Untersuchung des Verhältnisses zwischen religiöser Praxis und gesellschaftlichen Strukturen.“ In: Zeitschrift für Religionswissenschaft, 14, 2006, S. 52-83.

Schäfer: „Identität als Netzwerk. Ein Theorieentwurf am Beispiel religiöser Bewegungen im Bürgerkrieg Guatemalas.“ In: Berliner Journal für Soziologie Bd. 15, 2005, Nr. 2, S. 259-282. [download PDF]

Schäfer: Praxis Theologie Religion: Grundlinien einer Theologie und Religionstheorie im Anschluss an Pierre Bourdieu. Frankfurt: Lembeck 2004. [download PDF]

Schäfer: „The Janus face of religion: on the religious factor in new wars.“ In: Numen, Vol. 51, 2004, No. 4, S. 407-431. [download PDF]

Schäfer: Zur Theorie von kollektiver Identität und Habitus am Beispiel sozialer Bewegungen. Eine Theoriestudie auf der Grundlage einer interkulturellen Untersuchung zweier religiöser Bewegungen. Berlin: Humboldt Universität, 2003 (Mikrofiche), 497 S.

Kooperationen:ZiF E pluribus…

 



 
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