Dekonversion und fundamentalistische Biographieverläufe
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Streib, H., Hood, R. W., Keller, B., Csöff, R.-M., & Silver, C., 2009. Deconversion. Qualitative and Quantitative Results from ... Research in Contemporary Religion, Vol 5, Göttingen: Vandenhoeck & Rupprecht.

Einleitung und Überblick über die Bielefelder kulturübergreifende Studie über Dekonversion

In den Jahren 2002 bis 2005 wurden insgesamt 1.196 Personen in der Bundesrepublik Deutschland und den U.S.A. befragt. Im Mittelpunkt der Forschung standen ca. 100 Dekonvertiten (je zur Hälfte aus den U.S.A. und der Bundesrepublik Deutschland) aus dem gesamten Spektrum religiöser Organisationen einschließlich der großen Kirchen – jedoch mit besonderer Berücksichtigung neureligiös-fundamentalistischer Gruppen. Das Untersuchungsdesign sah narrative Interviews und Faith-Development-Interviews sowie einen Fragebogen, also eine Triangulierung von qualitativen und quantitativen Instrumenten, vor. Die Dekonvertiten wurden nach dem Prinzip des maximalen Kontrasts ausgewählt (theoretic sampling).

Der Fragebogen, der nicht nur von den Dekonvertiten, sondern mit dem Ziel der kontrastiven Abbildung der Dekonversionserfahrungen auf dem Hintergrund der Milieus auch von 1.067 intradition members, d.h. Mitgliedern jener religiösen Organisation, die die Dekonvertiten verlassen hatten, ausgefüllt wurde, umfasste außer demographischen Angaben und Fragen nach der „spirituellen“ Selbsteinschätzung, die sog. Big Five Persönlichkeitsfaktoren (NEO-FFI), die Ryff Scale of Psychological Well-Being and Growth, die Religious Fundamentalism Scale und die Right-Wing Authoritarianism Scale. [Mehr dazu unter Methoden] Ein Faith-Development-Interview wurde sowohl mit 100 Dekonvertiten, als auch mit 177 intradition members, also mit insgesamt 277 Versuchspersonen geführt.

Zielperspektive des Forschungsprojekts war die Analyse der Vielfalt der Biographieverläufe von Dekonvertiten aus einem möglichst breiten Spektrum von religiösen Organisationen und Gruppen in den U.S.A. und der Bundesrepublik Deutschland mit besonderer Fokussierung auf Persönlichkeitsfaktoren, Motivationslagen, Einstellungen, psychisches Wohlbefinden und Wachstum, sowie auf biographische Folgen und Prozesse religiöser Entwicklung (faith development), die mit der Dekonversion einhergehen. Leitende Forschungsfragen waren somit: Was bedeutet Dekonversion als wichtige biographische Veränderung und womit steht sie in Zusammenhang? Führt sie zu seelischem Wachstum, Wohlbefinden? Wird religiöse Entwicklung dadurch befördert? Gehen Krisen damit einher? Bedarf es professioneller Hilfe?

In einer ersten Projektphase (2002-2003) mit dem offiziellen Titel, "Deconverts from Fundamentalist New Religious Groups in Germany and the United States of America”, standen Dekonversionen aus neureligiösen fundamentalistischen Gruppen im Zentrum des Forschungsinteresses. Erfasst wurde eine Vielfalt religiöser Organisationen mit östlichem und westlichem, christlichem und nicht-christlichem, (z.B. hinduistisch inspiriertem) Hintergrund. In der zweiten Projektphase ("Varieties of Deconversion Experiences in the Federal Republic of Germany and the United States of America: Potentials for Transformation, Vulnerabilities, and Needs for Intervention") wurden dann die Vielfalt von in der Gesellschaft besser oder gut integrierten religiösen Organisationen miteinbezogen, d.h. von charismatischen Gemeinden bis hin zu den etablierten Kirchen.

[weiter zu den qualitativen Ergebnissen]



 
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