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Jens Köhrsen, M.A., Dipl. - Sozialwissenschaftler

Forschungsschwerpunkte

Arbeitsbereich:
Feldforschung zu Thema des religiösen Wechsels in Argentinien, Pfingstbewegung, religiöse Pluralisierung und Individualisierung.

Wissenschaftliche Interessen:
Allgemeine Religionssoziologie, Säkularisierungsdebatte und Religion in der Moderne, Gesellschaftstheorie, Organisationssoziologie und Wirtschaftstheorie

Publikationen

Köhrsen, Jens/Goldmann, Mario/ Schulz, Reinhard/ Thomaschke, (Hrsg.), „Wozu noch Geisteswissenschaften?“, Oldenburg 2007.

CV

Magister Soziologie, Philosophie und evangelischer Theologie (von 1999 bis 2006), Universität Oldenburg

Diplom Sozialwissenschaften (von 2001 bis 2007), Universität Oldenburg

Promotion im Fach Soziologie (seit 2007) an der International Graduate School in Sociology (IGSS)/ Bielefeld International Graduate School in History and Sociology (BGHS)

Mitgliedschaften in wissenschaftlichen Vereinigungen

Society for the Scientific Study of Religion (SSSR)

Denkräume e.V.

Dissertationsprojekt:

„Religiöser Geschmack - Religiöse Präferenzen und soziale Kontexte am Beispiel des religiösen Wechsels zur Pfingstbewegung in Buenos Aires“

Abstract
Das Forschungsprojekt wendet sich der Untersuchung des religiösen Wechsels in Zeiten zunehmender religiöser Pluralität und Individualisierung zu. Die Arbeit will anhand einer empirischen Untersuchung im religiösen Feld von Buenos Aires bestimmen, welche Faktoren die Richtung des religiösen Wechsels ausschlaggebend beeinflussen. Von zentralem Interesse ist hierbei die Frage, ob sich Akteure bei der Wahl einer religiösen Gemeinde – und damit einhergehend eines religiösen Stils – an einem (inneren) religiöses Präferenzsystem (religiösen Geschmack) orientieren oder ob die religiöse Wahl, wie bestimmte Konzepte nahe legen, lediglich auf einer rationalen Nutzenkalkulation beruht oder gegebenenfalls nur ein Produkt kontingenter Zufälle ist. Die Forschungsfrage wird am Beispiel des Wechsels in verschiedene Kirchen der Pfingstbewegung in Buenos Aires untersucht.

Beschreibung:
Im Zuge zunehmender Wahlfreiheiten und einer beträchtlichen Ausweitung des religiösen Angebotsspektrums lässt sich heute in vielen modernen Gesellschaften eine wachsende religiöse Mobilität beobachten. Dabei wird das Treffen einer Wahl bezüglich der religiösen Praxis und Überzeugungen zum Normalfall, während das Verbleiben in der durch das Elternhaus vererbten Religiosität zusehends den Ausnahmefall markiert (Berger). Kurzum: Immer mehr Individuen wählen ihre Religiosität.

Die erhöhte religiöse Mobilität wirft die Frage auf, wie sich Individuen in den pluralisierten religiösen Feldern angesichts der pulsierenden Angebotsvielfalt verhalten und in welcher Weise sie Entscheidungen über ihre künftige Religiosität treffen. Trotz einer zunehmenden Präsenz des religiösen Wechsels handelt es sich um ein bisher kaum untersuchtes Phänomen. Viele der bisherigen Untersuchungen zum religiösen Wechsel fokussieren allein auf die biographischen Gründe des religiösen Wechsels oder fertigen ausführliche Beschreibungen von Konversionsprozessen an, vernachlässigen hierbei aber die eigentliche Wahl. Die Frage, warum Individuen in eine bestimmte religiöse Gruppierung und keine andere wechseln, wurde bisher, wenn überhaupt, so doch nur in Ansätzen erörtert. Das Projekt wendet sich dementsprechend einer Untersuchung der Richtung des religiösen Wechsels zu. Die zentrale Frage ist hierbei, welche Variablen die Richtung einer religiösen Wahl beeinflussen.

Um Aufschluss über die möglichen Einflussfaktoren der religiösen Wahl zu erhalten, wird eine Untersuchung am Beispiel des religiösen Wechsels zur Pfingstbewegung in Buenos Aires durchgeführt. Das religiöse Feld Argentiniens eignet sich hierfür in besonderer Weise, da sich in diesem starke Tendenzen des Wechsels zur Pfingstbewegung abzeichnen. Zugleich weist die Pfingstbewegung in Argentinien eine erhebliche interne Vielfalt auf, die zu einer breiten Ausfächerung in unterschiedliche „pfingstliche“ Stile führt. Diese Vielfalt will sich das Projekt zur Nutze machen, um den Wechsel zu einzelnen der religiösen Stile innerhalb der Pfingstbewegung zu untersuchen. Die zentralen Fragen hierbei sind:

  1. Welche Variablen beeinflussen den Wechsel in die Pfingstbewegung (und nicht in eine andere Religion bzw. Konfession/ Denomination)
  2. Welche Variablen beeinflussen den Wechsel in eine bestimmte Gruppe (einen bestimmten Stil) der Pfingstbewegung?

Zur Auseinandersetzung mit diesen Fragen werden qualitative Interviews mit religiösen Wechslern in einzelne Gruppen der Pfingstbewegung innerhalb des Stadtteils Flores in Buenos Aires geführt. Um die Perspektive auf den Wechsel zur Pfingstbewegung zu erweitern und kontrastiv zu ermitteln, welche Einflussfaktoren den Wechsel zur Pfingstbewegung verhindern oder erschweren, werden zusätzlich Interviews mit religiösen Wechslern geführt, die nicht in die Pfingstbewegung gewechselt sind, sondern sich für andere religiöse Angebote im religiösen „Markt“ vom Stadtteil Flores entschieden haben, so etwa Baptisten, Methodisten, Esoteriker, Buddhisten.

Grundsätzlich gilt es zu klären, ob der Begriff der religiösen Wahl im Falle des religiösen Wechsels überhaupt eine zutreffende Beschreibung bietet oder ob es sich bei Prozessen des Wechsels nicht gemeinhin um eine Aneinanderreihung kontingenter Zufälle handelt, in deren Zuge das Individuum eher passiv als aktiv in eine neue religiöse Gruppierung „hineingerät“. Kann der religiöse Wechsel jedoch als eine Form der religiösen Wahl beschrieben werden, so ist im folgenden zu ermitteln, ob der „Wahlakt“ auf einer individuellen (religiösen) Präferenzstruktur beruht oder wie etwa die Rational Choice Theorie nahe legt, Produkt rationaler Nutzenkalkulation ist. Liegen religiöse Präferenzstrukturen vor, so können diese auf Korrelationen zu den sozialen Kontexten der jeweiligen Individuen hin untersucht werden, um zu überprüfen, ob und inwiefern der soziale Kontext des religiösen Wechsels dessen Präferenzstruktur - und somit schließlich auch dessen religiösen Wahl - determiniert.

Letztlich stellt sich hiermit die Frage, ob bestimmte soziale Kontexte, religiöse Präferenzstrukturen nahe legen, welche wiederum das religiöse Wahlverhalten der Akteure beeinflussen. Lassen sich Korrelationen zwischen sozialen Kontexten (wie etwa der sozialen Schichtung von Akteuren) und religiösen Wahlverhalten aufzeigen, so können Rückschlüsse über die Restrukturierung religiöser Felder unter Bedingungen erhöhter Mobilität gezogen werden. Die erhöhte Mobilität innerhalb der religiösen Felder führt dann nicht zu einem strukturlosen „Chaos“, sondern mündet in neuen Strukturen, die Analogien zu den sozialen Rahmenbedingungen der religiösen Klienten aufweisen

Kooperation:CEIL PIETTE, Universidad de Buenos Aires

Förderung:Studienstiftung des Deutschen Volkes



 
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