Center for Interdisziplinary Research
 
 

Kultur im sozialen Wandel

Zur Selbstverortung des Subjekts in der Zeit der Welt

Eröffnungstagung der ZiF:FG Theorie des sozialen Wandels

Termin: 15. - 18. Oktober 1997
Leitung: Günter Dux (Freiburg i.Br.)

Mit dem Symposium zur Eröffnung des Forschungsprojekts nehmen wir eine Thematik auf, die in allen Forschungsfeldern von zentraler Bedeutung sein wird: den Anteil der Kultur am sozialen Wandel zu bestimmen. Wie sozialstrukturelle und kulturelle Organisation der Gesellschaft zu unterscheiden und gegeneinander abzugrenzen sind, ist dabei ebenso zu klären wie die Differenz in der Sequenz ihrer Entwicklungslogik, wenn man denn diesen für die Bestimmung der Sequenz der jeweiligen Strukturen nützlichen Begriff aus der Konkursmasse der Geschichtsphilosophie aussondern und neu bestimmen will. Ein Aspekt, aber eben nur einer, ist dabei die Selbstverortung des Subjekts in der Zeit der Welt. Daß Zeit ein Konstrukt ist, das der Dynamik der Welt eingebildet ist, ist seit Kant bestens bekannt; daß das Konstrukt einsichtigen Bedingungen folgt, weniger. Wir werden klären müssen, wie durch die Entwicklung der Zeitstruktur das Verständnis des Subjekts, seine Selbstverortung in der Welt, bestimmt wird.
Es ist problematisch, den Kulturbegriff so zu konzipieren, daß er nahezu identisch wird mit den abstraktiven Konstrukten, die als Leitdifferenz der Kognition wie Normalität gelten bzw. gelten sollen. Gleichwohl ist nicht zweifelhaft, daß spätestens seit der Antike zwischen der Volkskultur und der Expertenkultur unterschieden werden muß, was immer das heißen mag. Dabei gilt es zum einen zu klären, in welcher Weise die abstraktiven Erkenntnisleistungen von Philosophie und Wissenschaft auf die Sozialordnung zurückwirken, zum anderen ist zu klären, welche Bedeutung Intellektuelle für die Promotion der Gesellschaft gewinnen. Marx' 11. Feuerbachthese ist in bester Erinnerung. Es scheint, daß auch die Rolle der Intellektuellen in der Gesellschaft ihren historischen Ort hat.

Teilnehmende
Jan Assmann (Heidelberg), Klaus Eder (Berlin), Bernhard Giesen (Gießen), Marlies Heinz (Freiburg i.Br.), Constans Seyfarth (Tübingen), Horst Steible (Freiburg i.Br.), Philipp Stoellger (Tübingen), Ulrich Wenzel (Erlangen), Franz Josef Wetz (Schwäbisch Gmünd), Stein Braten (Oslo), Wolfgang Bonß (Neubiberg), Willem van Reijen (Utrecht), Achim Mittag (Leiden), Mathias Midell (Leiden), Hans Dieter Evers (Bielefeld)
und die Mitglieder der ZiF:Forschungsgruppe



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