Center for Interdisziplinary Research
 
 

Die ontogenetische und historische Entwicklung der Moral

im Rahmen der ZiF:FG Theorie des sozialen Wandels

Termin: 14. - 17. Januar
Leitung: Günter Dux (Freiburg i.Br.) und Lutz Eckensberger (Frankfurt am Main)

Dieses Symposion stellte eines der beiden Symposien dar, die dazu bestimmt sind, den Wandel des Verständnisses der normativen Verfassung der Gesellschaft zu klären. Die Notwendigkeit kann für den nicht zweifelhaft sein, der sich der argumentativen Vorgabe der Kombattanten in dem nun schon mehr als ein Jahrzehnt dauernden Streit zwischen einer liberalistischen und kommunitaristischen Normbegründung vergewissert hat. Während die liberalistische Fraktion auf einen abstraktiven Vernunftbegriff setzt, der seine Wurzeln in der praktischen Philosophie Kants nicht verleugnet, suchen die Kommunitaristen so etwas wie eine Vernunft in der Geschichte, auch wenn dabei der Weltgeist im Rücken abhanden gekommen ist.
SoziologInnen sollte das eine wie das andere Normverständnis und seine Begründung alarmieren. Denn in den empirischen Sozialwissenschaften ist längst ein Normverständnis sichtbar geworden, das sich der idealistischen Vorgaben entledigt hat. Die Rekonstruktion der Entwicklung der Moral unter den empirischen Bedingungen einer jeden Ontogenese hat als Hintergrund das Wissen, daß sich alle soziokulturellen Errungenschaften des Menschen: Denken, Normativität, Ästhetik unter empirischen Bedingungen einer evolutiven Naturgeschichte gebildet haben. Angesichts dieses Wissens stellt sich die Frage, ob es Sinn macht, die Genese der Moral, die ja nach den strukturellen Bedingungen der überhaupt denkbaren Normativität und ihrer universalen Entwicklung fragt, der Differenz von Sein und Sollen zuzuschlagen.
Die Absicht des Symposions war es, den Stand des Wissens um die Genese der Moral zu dokumentieren. Die einzelnen Beiträge haben dabei sehr unterschiedliche Moralaspekte thematisiert. Wie bei jedem Gegenstand wurde dabei ein Verständnis von Moral vorgegeben, nur normativ verbindlich wurde es nicht gemacht. Die Frage, die bei jeder Präsentation gestellt wurde, war schlicht: Läßt sich die behauptete Entwicklung feststellen – notabene: als strukturell-normative! Eine Evaluation der Tagung unter diesem Aspekt läßt sie auch im Nachhinein als ein sehr sinnvolles Unternehmen erscheinen.

Teilnehmende
Augusto Blasi (Boston, MA), Wolfgang Bonß (Neubiberg), Bettina Bretzinger (Freiburg i.Br.), Rainer Döbert (Berlin), Inga Fuchs (Freiburg i.Br.), Christopher Hallpike (Shipton Moyne), Norbert Jegelka (Essen), Monika Keller (Berlin), Tobias Krettenauer (Berlin), Hing Keung Ma (Hongkong), Gertrud Nunner-Winkler (München), Bernd Remmele (Freiburg i.Br.), Constans Seyfarth (Tübingen), Eliot Turiel (Berkeley, CA)
und die Mitglieder der ZiF:Forschungsgruppe

Zur Tagungsübersicht der ZiF:Forschungsgruppe Theorie des sozialen Wandels



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