Center for Interdisziplinary Research
 
 

Auslegung als Entdeckung der Schrift des Herzens

Termin: 20. - 22. Februar
Leitung: Thomas Petersen und Hermann-Josef Röllicke (beide Heidelberg)

Die wissenschaftliche Hermeneutik, die in so unverbundenen Fächern wie Sinologie und Theologie, Japanologie und Judaistik, Musik- und Literaturwissenschaften, Rechts- und Kunstwissenschaften vertreten ist, erhofft sich die größte Sicherheit ihrer Ergebnisse von der historischen Philologie. Es gehört zu ihrer wissenschaftlichen Integrität, die Möglichkeit der eigenen Bewegung und Veränderung des Philologen durch die auslegungsbedürftigen Zeugnisse der Vergangenheit aus ihren Methoden auszuschließen und im Gegenteil das Prinzip der Distanz zur Sache unantastbar zu machen. Zugleich steht sie aber vor dem Problem, auch mit Gegenständen zu tun zu haben, die sich gegen dieses Prinzip verwahren. Sie stößt in allen großen Schrifttraditionen der Welt auf kommentarisches Schrifttum, das selbst den Hinweis enthält, sei es in der praktischen Gestalt seiner eigenen Hermeneutiken oder Proto-Hermeneutiken, sei es in Vorworten, Nachworten oder selbständigen Textgenres, daß ohne die Bewegung und Veränderung des eigenen Herzens des Auslegenden oder des Lesenden kein Verstehen möglich sei. In dieser Konstellation prüfte die Tagung in zehn Vorträgen mit vier Beispielen ostasiatischer und sechs Beispielen westlicher Auslegungssituationen und in überaus kontrovers geführten Diskussionen einerseits, inwiefern der Wissenschaftlichkeit des Auslegens an solchen Beispielen unüberschreitbare Grenzen gesetzt sind oder inwiefern es umgekehrt möglich sei, die wissenschaftliche Hermeneutik in ihrem Methodenprinzip im Sinne der Forderung der genannten Zeugnisse nach Veränderung derer, die sie auslegen, gerade zu erweitern. Es ist geplant, dieser Tagung eine zweite folgen zu lassen, die auch Beispiele der indischen und islamischen Schriftkulturen mit einbezieht.

Teilnehmende
Aharon Agus (Heidelberg), Rüdiger Bittner (Bielefeld), Günter Bonheim (Wüstenrot-Maienfels), Elisabeth Dangel-Pelloquin (Basel), Jorinde Ebert (Lindelbach), Horst Folkers (Freiburg i.Br.), Ki-Sun Kim (Tübingen), Georg Lämmlin (Heidelberg), Reiner Manstetten (Heidelberg), Alexander Mayer (Heidelberg), Achim Mittag (Leiden), Tadashi Otsuru (Fukumasa), Dieter Plempe (Heidelberg), Dieter Rahn (Düsseldorf), Thomas Regehly (Frankfurt am Main), Jörn Rüsen (Essen), Claus-Artur Scheier (Braunschweig), Heino Schmull (Tübingen), Robert Schnepf (Halle/Saale), Joachim Steinheuer (Heidelberg)



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