Center for Interdisziplinary Research
 
 

Experiments in the Field of Criminal Policy

Do we need to use experimental designs for the evaluation of features of the criminal justice system?

Termin: 31. März - 2. April
Leitung: Karl F. Schumann (Bremen)

Kriminalpolitik kann auf exakte Wissensgrundlagen gestellt werden, wenn methodisch saubere Wirkungsforschung über Sanktionsformen, polizeiliche Präventionsstrategien und neue Interventionsvarianten betrieben wird. Die exakteste Methode ist dafür das kontrollierte Experiment, bei dem nach einem Zufallsverfahren Personen oder Regionen der Experimental- bzw. der Kontrollsituation zugewiesen werden. Wird anschließend parallel und prospektiv, möglichst an mehreren Orten gleichzeitig, die kriminalpolitische Strategie eingesetzt, bzw. zur Kontrolle darauf verzichtet, lassen signifikante Unterschiede zwischen beiden Gruppen auf Wirksamkeit des kriminalpolitischen Instruments schließen. Diese sorgfältige Evaluation ist in Deutschland bislang unüblich, in den USA dagegen verbreitet. Welche Erkenntnisse sind international mit Experimenten erzielt worden? Inwieweit wurde Kriminalpolitik faktisch beeinflußt? Welche Probleme tauchen auf, will man ein experimentelles Design umsetzen? Diese und andere Grundprobleme wurden erörtert, die Befunde einer umfassenden Sichtung experimenteller Forschung in den USA dargestellt. Ein Experiment mit Sozialtherapie in Deutschland und ein schweizer Experiment mit Heroinvergabe wurden im Detail analysiert. Rechtliche Schranken einer wissenschaftsorientierten Kriminalpolitik wurden für Deutschland aufgezeigt, ebenso verfassungsrechtliche Schranken und praktische Probleme in der Polizeiforschung. Für Deutschland scheinen exakte Evaluationen "natürlicher Experimente", also before-after-Studien bei Gesetzesänderungen, eine mögliche Alternativstrategie zu sein, ebenso wie quasi-experimentelle Designs. Aus Erfahrungen im United Kingdom, aber auch aus den USA folgt, daß optimale Designs nicht notwendig auch den stärksten kriminalpolitischen Einfluß mit sich bringen. Die Tagung hat außerordentlich fruchtbare Diskussionen zwischen amerikanischen und deutschen bzw. europäischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglicht und einen prospektiven Arbeitszusammenhang zwischen ihnen geschaffen.

Teilnehmende
Günther Albrecht (Bielefeld), Hans Jörg Albrecht (Freiburg i. Br.), Otto Backes (Bielefeld), Robert F. Boruch (Philadelphia, PA), Rebecca Emerson Dobash (Manchester), Russell Dobash (Manchester), Jeffrey Fagan (New York, NY), Thomas Feltes (Villingen-Schwenningen), Detlev Frehsee (Bielefeld), Bernd Geng (Greifswald), Christine Graebsch (Bremen), Hagen Hof (Hannover), Susanne Karstedt (Bielefeld), Hans Jürgen Kerner (Tübingen), Martin Killias (Lausanne), Barry A. Krisberg (San Francisco, CA), Hans-Peter Krüger (Würzburg), Rebecca Löbmann (Würzburg), Doris MacKenzie (College Park, MD), Frank Neubacher (Köln), Rüdiger Ortmann (Freiburg i. Br.), Christian Pfeiffer (Hannover), Nick Tilley (Nottingham), David Weisburd (Jerusalem), Elmar Weitekamp (Tübingen), Peter Wilkitzki (Bonn), Franklin Zimring (Berkeley, CA)



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