Center for Interdisziplinary Research
 
 

Manier und Manierismus

Termin: 24. - 26. April
Leitung: Wolfgang Braungart (Bielefeld) und Christine Göttler (Tempe/Phoenix, AZ)

Der Begriff des Manierismus ist in den Geistes- und Kulturwissenschaften bis heute äußerst umstritten. Seine Begriffsgeschichte impliziert sehr häufig eine kulturkritische Perspektive. Eine abgrenzbare kunst- bzw. literaturgeschichtliche Epoche ist nur schwer einigermaßen plausibel zu umreißen. Etymologisch weist der Begriff aber auf die Manier hin, also auf die besondere Eigenart und Gestaltungsweise eines Künstlers, die ihn charakterisiert und von anderen Künstlern unterscheidet. Das manieristische Kunstwerk ist das Produkt einer "manierierten" Handlung. Auf diese Handlungsdimension verweisen auch alltagssprachliche Verwendungen des Begriffs. Am Manierismus läßt sich also exemplarisch untersuchen, wie ästhetische Äußerungen mit sozialen Handlungen zusammenhängen und wie umgekehrt soziale Handlungen ästhetische Dimensionen haben. Dies könnte für eine kulturwissenschaftliche Neuorientierung der Geisteswissenschaften zentral sein.
Von diesen Überlegungen ging die interdisziplinäre Arbeitstagung Manier und Manierismus aus. Es trafen sich 19 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland, die verschiedenen geistes-, sozial- und naturwissenschaftlichen Disziplinen angehören. In den einzelnen Referaten und Diskussionsbeiträgen zeigte sich, daß die Erforschung manieristischer, ästhetisch-sozialer Handlungsfelder über die kunstgeschichtliche Epoche des Manierismus hinaus dringend vorangetrieben werden müßte. Weiter diskutiert werden muß auch die während der ganzen Tagung strittige Frage, inwieweit die Kategorie des Manierismus, die Künstlichkeit und besondere ästhetische Elaboriertheit impliziert und dem Diskurs der kulturellen Elite entstammt, auf Erscheinungen der populären Kultur auch der Gegenwart übertragen werden kann. Im semantischen Merkmal forcierter Künstlichkeit könnte eine Brücke von den Kunst- und Literaturwissenschaften zur künstlichen Natürlichkeit in den Natur- und Technikwissenschaften gesehen werden. Warum wollen wir unbedingt, daß Roboter wie Menschen aussehen? Eine solche Konkurrenz mit der Natur war schon für die technisch-künstlerischen Werke der frühneuzeitlichen Künstler zentral.

Teilnehmende
Andreas Baumerich (Köln), Horst Bredekamp (Berlin), Holk Cruse (Bielefeld), Hermann Danuser (Berlin), Axel Dunker (Mainz), Ulrich Ernst (Wuppertal), Axel Christoph Gampp (London), Maria Fabricius Hansen (Copenhagen), Hermann Hipp (Hamburg), Ursula Link-Heer (Bayreuth), Susanne Leeb (Köln), Kaspar Maase (Berlin), Stefanie Manthey (Rheinbach), Gudula Mayr (Hamburg), Gerald Schröder (Köln), Hans Georg Soeffner (Konstanz), Rüdiger Zymner (Wuppertal)



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