Center for Interdisziplinary Research
 
 

Körperinszenierungen in mittelalterlicher Literatur

Termin: 18. - 20. März
Leitung: Klaus Ridder und Otto Langer (beide Bielefeld)

Das Thema Körper / Körperlichkeit führt bei einer ganzen Reihe von mittelalterlichen Texten und Texttypen ins Zentrum der literarischen Konstruktion. Daher ist die literarische Signifikanz des Körpers, der lange Zeit von der literaturwissenschaftlichen Forschung wenig Beachtung geschenkt wurde, inzwischen kaum umstritten. Die Forschungskomplexe: Sexualität, weiblicher Körper, Körper als Repräsentationssysteme, haben mittlerweile eine eigene Dynamik entwickelt und das Feld der traditionellen literarhistorischen Fragestellungen in beeindruckender Weise erweitert.
In der intensiven Diskussion der neueren Forschung werden unter dem Begriff Körper allerdings ganz unterschiedliche Ansätze und auch Gegenstandsbereiche abgehandelt. Diese stehen häufig unvermittelt nebeneinander oder werden ebenso häufig unkritisch verbunden. Es gibt zwar eine intensive vor allem theoretisch ausgerichtete Körperdiskussion, doch andererseits fehlt es an elementaren gattungs- und diskursbezogenen Grundlagenarbeiten. Um die literarischen Erscheinungen mit theologischen, kunsthistorischen, juristischen oder medizinischen Diskursen über den Körper zusammenzusehen, sind beispielsweise fachübergreifende Forschungsreferate zum Problemkreis unverzichtbar.
Die Tagung wollte die Aufmerksamkeit auf Texte lenken, in denen Körperinszenierungen wesentlichen Anteil an der ästhetischen Sinnproduktion haben. Im Mittelpunkt standen Körperkonstrukte in Texten deutscher, französischer und lateinischer Sprache, und zwar unterschiedlicher literarischen Gattungen: Visionsliteratur, geistliches Spiel, höfischer Roman, Legende, mystische Literatur, frühneuhochdeutscher Prosaroman, komisch-grotesker Roman.
Dabei kamen vor allem folgende Problemfelder in den Blick: die historische Semantik des Körper in mittelalterlicher Kultur, Symbolik und Metaphorik des Körpers, Körper als Zeichenträger sowie verschiedene ›textgewordene‹ Typen von Körperbildern: der schöne Körper, der häßlich-gelehrte Körper, der kranke Körper, der Körper des Heiligen, der mythisch-dämonische Körper, der grotesk-komische Körper.
Die interessantesten Ergebnisse der Tagung konzentrieren sich auf drei Bereiche: auf das Oszillieren der Körperbilder zwischen vehementer Aufwertung und ebenso radikaler Ablehnung des Leibes in unterschiedlichen literarischen Diskurszusammenhängen, die Formen der intertextuellen Verknüpfung der literarischen Gespräche über den Körper sowie auf die anthropologisch-kulturhistorische Fundierung des mittelalterlichen Körperdenkens.

Teilnehmende
Hans-Jürgen Bachorski (Potsdam), Horst Brunner (Würzburg), Ulrich Ernst (Wuppertal), Volker Hassenpflug (Wuppertal), Wolfgang Haubrichs (Saarbrücken), Barbara Haupt (Düsseldorf), Christoph Huber (Tübingen), Martin Jones (London), Ingrid Kasten (Berlin), Judith Klinger (Potsdam), Urban Küsters (Düsseldorf), Christina Lechtermann (Berlin), Thomas Lentes (Paris), Martin Przybilski (Würzburg), Werner Röcke (Berlin), Wolfgang Schild (Bielefeld), Albert Schirrmeister (Bielefeld), Klaus Schreiner (Bielefeld), Volker Schupp (Freiburg i. Br.), Elisabeth Stein (Wuppertal), Peter Strohschneider (Dresden), Bernhard Teuber (Kiel), Thomas Tomasek (Münster), Friedrich Wolfzettel (Frankfurt am Main), Ulrich Wyss (Erlangen), Christopher Young (Cambridge, UK), Hans-Joachim Ziegeler (Köln)



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