Center for Interdisziplinary Research
 
 

Was sind und warum gelten Naturgesetze?

Termin: 15. - 16. September
Leitung: Peter Mittelstädt (Köln) und Gerhard Vollmer (Braunschweig)

Es gibt beim heutigen Stand der Naturwissenschaften gute Gründe dafür, daß Gesetze der Biologie sich auf Gesetze der Mikrobiologie und Chemie zurückführen lassen und daß Gesetze der Chemie sich letztlich durch Gesetze der Physik, insbesondere der Quantenphysik rechtfertigen lassen. Unter der Annahme eines solchen Reduktionismus, der auf dieser Tagung nicht ausdrücklich problematisiert wurde, lassen sich die Gesetzesstrukturen aller Naturwissenschaften auf die Physik zurückführen. Damit kann man das Rechtfertigungsproblem der Naturgesetze auf das entsprechende Problem der Physik reduzieren.
Physikalische Gesetze kann man meist aus anderen, tieferliegenden Gesetzen begründen. Von besonderer Bedeutung ist daher die Frage nach den letzten Gesetzen der Physik, die oft im Zusammenhang mit der Möglichkeit einer Einheit der Physik im Sinne einer final theory oder einer theory of everything gesehen wird. Für die Rechtfertigung einer solchen Theorie muß insbesondere das Begründungsproblem der Quantentheorie, der Allgemeinen Relativitätstheorie und der Kosmologie geklärt sein.
Mit diesen, auch heute schon angreifbaren Fragen haben sich zahlreiche Beiträge der Tagung befaßt. Tatsächlich zeichnen sich in der heutigen Physik einige Möglichkeiten ab, die fundamentalen Gesetze der Physik einsichtig und verständlich zu machen.
– Einige Grundgesetze der Physik scheinen sich auf rein logische Strukturen zurückführen zu lassen. Diese in der Quantenlogik untersuchte Möglichkeit führt unmittelbar auf die Frage, ob und in welchem Sinne Physik a priori begründbar ist. In mehreren Beiträgen wurde dieser Problemkreis sowohl systematisch als auch historisch behandelt.
– Viele Gesetze der makroskopischen Physik, der Chemie und vermutlich auch der Biologie lassen sich als statistische Makrogesetze verstehen, denen keine oder nur völlig unspezifische Mikrogesetze zugrunde liegen. Die Emergenz von Makrogesetzen aus einem fast gesetzlosen Verhalten auf der Mikroebene spielt vermutlich in weiten Bereichen der Naturwissenschaft eine große Rolle.
– Für eine Rechtfertigung gesetzlicher Strukturen, die weder a priori noch statistisch begründbar sind, wird die Frage bedeutsam, ob diese Strukturen auf unser Universum beschränkt sind. Anthropische Prinzipien und die Annahme einer gleichzeitigen Entstehung einer Vielzahl von Universen führen zu verschiedenen möglichen Erklärungen.
Die 15 Beiträge dieser Tagung befaßten sich sowohl historisch als auch systematisch mit den Fragen, was Naturgesetze sind, in welchem Sinne sie gelten können und der wohl schwierigsten Frage, warum sie gelten. Der Teilnehmerkreis von 25 Personen setzte sich interdisziplinär zusammen aus Vertretern der Fächer Philosophie, Theologie, Logik, Mathematik, Physik und Chemie.

Die auf der Tagung gehaltenen Vorträge sollen in dem dafür reservierten Heft 2 / 2000 der Zeitschrift Philosophia Naturalis erscheinen.

Teilnehmende
Andreas Bartels (Paderborn), Thomas Breuer (Salzburg), Wolfgang Buschlinger (Braunschweig), Martin Carrier (Bielefeld), Michael Drieschner (Bochum), Brigitte Falkenburg (Dortmund), Michael Hampe (Kassel), Friedrich W. Hehl (Köln), Andreas Hüttemann (Bielefeld), Renate Huber (Dortmund), Lydia Jaeger (Nogent-sur-Marne), Erich Joos (Hamburg), Meinard Kuhlmann (Bremen), Christoph Lütge (Braunschweig), Holger Lyre (Bochum), Achim Müller (Bielefeld), Günter Nimtz (Köln), Bertold Schweitzer (Braunschweig), Ernst-Walther Stachow (Köln), Manfred Stöckler (Bremen), Christian Thiel (Erlangen), Paul Weingartner (Salzburg)



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