Center for Interdisziplinary Research
 
 

Ontological Aspects of Quantum Field Theory

Termin: 11. - 13. Oktober
Leitung: Prof. Dr. Manfred Stöckler (Bremen), Prof. Dr. Andreas Bartels (Paderborn), Prof. Dr. Dr. Brigitte Falkenburg (Dortmund), Prof. Dr. Michael Drieschner (Bochum), Prof. Dr. Allen Hirshfeld (Dortmund)

Die Konferenz wurde unterstützt von der Fritz Thyssen Stiftung.


Die philosophischen Schriften der Vorsokratiker beschäftigen sich ausführlich auch mit Physik und Astronomie, und Aristoteles hätte seine Physikvorlesung heute aufgrund seiner Themen am Seminar für Philosophie zu halten. Unterschiedliche Fragen, die von den Forschern der Antike problemlos noch gleichzeitig bearbeitet werden konnten, sind heute verschiedenen Spezialdisziplinen zugeordnet, die meist nur wenig Kontakt miteinander haben. Bei der Suche nach der Natur der elementaren Bausteine der Materie (bekannt geworden durch den sog. Dualismus von Teilchen und Welle) sind auf der einen Seite intime Kenntnisse der Theoretischen Physik nötig (bis hin zu den mathematisch anspruchsvollen Formulierungen der Algebraischen Quantenfeldtheorie oder der Eichtheorien). Auf der anderen Seite wurden in den letzten Jahren im Rahmen der Analytischen Ontologie neue logische und sprachphilosophische Hilfsmittel entwickelt, mit denen wir besser verstehen können, wie wir unsere Welt in Theorien erfassen. In diesem Rahmen werden allgemeine Strukturen der Gegenstandskonstituierung und unsere Kategorien zur Ordnung des "Mobiliars" der Welt untersucht.
In den philosophischen Vorträgen der Konferenz wurde deutlich, dass mittlerweile neben den klassischen, auf Substanzvorstellungen beruhenden Modellen eine Reihe neuer Konzeptionen existieren (z. B. in der Tropentheorie), die in der Anwendung auf die Quantenfeldtheorie vielversprechende begriffliche Werkzeuge zum Verständnis der Basisentitäten der Materie darstellen. Auch von Physikern wurden Teilchenmodellen beim Wettbewerb um die Rolle fundamentaler Entitäten wenig Chancen eingeräumt. Die genaue Analyse von Experimenten zeigt, dass aus der bequemen Teilchensprechweise keine voreiligen ontologischen Schlüsse gezogen werden dürfen. Umgekehrt wurde in den Diskussion mehrfach zu Bedenken gegeben, dass entgegen dem ersten Eindruck nicht klar ist, ob die Interpretation tiefliegender mathematischer Sätze der Algebraischen Quantenfeldtheorie (wie z. B. des Reeh-Schlieder-Theorems) wirklich zwingend ausschließt, dass die Gegenstände dieser Theorie als lokalisierbare Objekte begriffen werden können.
Die Bedeutung der Tagung lag vor allem darin, Wissensbestände aus verschiedenen Bereichen zur Erörterung einer gemeinsamen Frage zu vereinen. Natürlich hatten alle Beteiligten mit den jeweiligen Fachterminologien und disziplinspezifischen Anforderungen zu kämpfen. Die lebendigen, bis spät in die Nacht fortgesetzten Diskussionen zeigten jedoch, dass die jeweils andere Disziplin ernst und wichtig genommen wurde. Wenn etwa avancierte Details des Renormierungsverfahrens zur wissenschaftstheoretischen Untersuchung der Reichweite vereinheitlichter Theorien herangezogen wurden, war nicht mehr festzustellen, ob gerade eine als Physikerin ausgebildete Philosophin oder ein philosophisch gut informierter Physiker spricht. Das neue und blühende Arbeitsgebiet der Grundlagen der Quantenfeldtheorie beweist: Die in der Öffentlichkeit zuweilen gemalten Bilder einer Gegenwartsphilosophie, die nur um sich selbst und ihre eigene Geschichte kreist, sind viel zu einfach um wahr zu sein.

Teilnehmende und Tagungsbeiträge



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