Center for Interdisziplinary Research
 
 

Historische Entwicklungslinien des Strafrechts vom Frühmittelalter bis zum konfessionellen Zeitalter

Termin: 19. - 21. November
Leitung: Neithard Bulst (Bielefeld) und Dietmar Willoweit (Würzburg)

Diese ZiF:Arbeitsgemeinschaft war die Abschlußtagung des von der DFG finanzierten interdisziplinären Forschungschwerpunkts Entstehung des öffentlichen Strafrechts, auf der aus der Sicht der Teilprojekte der jeweilige Ertrag für das gemeinsame Forschungsprogramm vorgetragen wurde.
Die Strafrechtsgeschichte gehört zu den eher vernachlässigten Forschungsfeldern. Sie ist bis heute geprägt von Thesen der älteren Forschung, die im 12. Jahrhundert die "Geburt der Strafe" mit dem Aufkommen der kirchlichen Inquisition datiert und in der Constitutio Criminalis Karls V. von 1532 einen Wendepunkt auf dem Weg in die Moderne nach einer Phase angeblicher Rechtsverwilderung im ausgehenden Mittelalter sieht.
Die Beiträge aus den Teilprojekten belegten, daß solche festehenden Urteile und Periodisierungen nicht länger haltbar sind. Nicht harte Zäsuren und Fortentwicklungen auf der Basis des einmal erreichten, sondern Parallelentwicklungen, Neuanfänge unverbundenes Nebeneinander verschiedener Rechtsatraditionen sind kennzeichnend für die Entwicklung des Strafrechts.
Als ein wesentliches Ergebnis der in dem Schwerpunktprogramm der DFG vereinten Forschungsbemühungen von Historikern und Rechtshistorikern stellte sich heraus, daß eine Geschichte des Strafrechts zukünftig den Blick stärker auf das Handeln legen müsse. Nicht ein Abstraktum, das Strafrecht, gilt es zu analysieren, sondern das Strafen, beziehungsweise der Verzicht darauf, habe in den Blick zu rücken. Zu verweisen ist noch einmal auf das Nebeneinander von Strafe und Strafverzicht, von Strafe und Buße, von öffentlichem Strafanspruch und privater Konfliktbeilegung bis weit in die Neuzeit hinein.
Anknüpfend an die bisherigen Ergebnisse wurden die Tagungsteilnehmer schließlich mit Fragen des Strafrechtsjuristen an die Geschichte konfrontiert. Kann die moderne Strafrechtstheorie aus der Geschichte lernen? Liefert sie Argumente für eine stärkere Hinwendung zu Modellen des Täter-Opfer-Ausgleichs? Die offene und lebhafte Diskussion im Anschluß an diese Fragen belegte, daß mit der Geschichte des Strafrechts ein interdisziplinäres Forschungsgebiet erschlossen worden ist, dem die Themen so bald nicht ausgehen werden. Die Vorstellung, daß es es einen gleichsam kontinuierlichen Entstehungsprozeß des öffentlichen Strafrechts gegeben habe, dürfte allerdings endgültig ad acta zu legen sein.

Tagungsprogramm und Teilnehmende



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