Center for Interdisziplinary Research
 
 

Global Justice

Termin: 26. - 28. Juni
Leitung: Thomas W. Pogge (Princeton, NJ)

In der dreitägigen Konferenz ging es um die moralischen Grundlagen einer weltweiten Gerechtigkeit – haben wir eine Verantwortung gegenüber den Armen der Welt? Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung waren sich weitgehend darüber einig, dass eine unerklärliche Kluft zwischen tatsächlicher weltweiter Armut und politischen Willensbekundungen besteht, diese Armut zu bekämpfen.
Die Fakten: Dem ärmsten Viertel der Menschheit steht weniger als ein Prozent des Welteinkommens zur Verfügung, mit dem selbst grundlegende Lebensbedürfnisse nicht abgedeckt werden können. Die Folge: Etwa ein Drittel aller menschlichen Todesfälle – 18 Millionen pro Jahr, hauptsächlich Kinder – geht auf armutsbedingte Ursachen zurück (Fehlernährung, verseuchtes Wasser, vermeidbare und heilbare Krankheiten), und auch die Überlebenden sind körperlich und geistig beeinträchtigt und nur selten in der Lage, sich aus eigener Kraft ein besseres Leben zu sichern.
Angesichts dieser unumstrittenen Tatsachen haben die reichen Länder der Welt wiederholt konkrete Ziele gesetzt, z. B. eine Halbierung des Welthungers bis 2015 auf dem Welternährungsgipfel in Rom. Allerdings haben die USA dann erläuternd hinzugefügt, dass sich aus diesem Ziel keinerlei internationale Verpflichtungen ergeben. Und die reichen Länder haben im Laufe der 90er Jahre ihre uni- und multilaterale Entwicklungshilfe stark verringert.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (vertreten waren hauptsächlich die Disziplinen Politologie und Philosophie) diskutierten darüber, wie weitreichend die moralischen Verpflichtungen der wohlhabenden Länder weltweit eigentlich sind und welche konkreten Maßnahmen zu ihrer Erfüllung als nächstes ergriffen werden sollten. Analysiert wurde eine Bandbreite von Möglichkeiten, die von einer Reform der UN über Schuldenerlass zu einer internationalen Besteuerung reichten. Debattiert wurde auch darüber, welche Rolle Akademiker bei der Umsetzung dieser Forderungen spielen könnten und sollten: Inwieweit sollten Philosophen bei der Formulierung normativer Theorien und Argumente die Moralvorstellungen der Bevölkerung sowie die herrschenden Machtverhältnisse berücksichtigen? Wie kann das wissenschaftliche Streben nach Wahrheit mit dem Ziel politischer Wirksamkeit verbunden werden?

Teilnehmende
Charles Beitz (Brunswick, ME), Rüdiger Bittner (Bielefeld), Hilary Bok (Claremont, CA), Simon Caney (Newcastle upon Tyne), Stéphane Chauvier (Caen), Michael Doyle (Princeton, NJ), Andreas Føllesdal (Oslo), Rainer Forst (Frankfurt am Main), Stefan Gosepath (Berlin), Bertrand Guillarme (Paris), Wilfried Hinsch (Saarbrücken), Andrew Hurrell (Oxford), Lukas H. Meyer (Bremen), Liam Murphy (New York, NY), Onora O’Neill (Cambridge UK), Henry Shue (Ithaca, NY), Leif Wenar (Sheffield), Veronique Zanetti (Tübingen)



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