Center for Interdisziplinary Research
 
 

Qualitative linguistische Verfahren und klinische Forschung

Termin: 16. - 18. November
Leitung: Elisabeth Gülich (Universität Bielefeld) und Martin Schöndienst (Epilepsiezentrum Bielefeld)

Wie können linguistische Methoden der Gesprächsforschung und klinische Fragestellungen sinnvoll verbunden werden, d. h. welche diagnostischen und therapeutischen Konsequenzen lassen sich aus linguistischen Gesprächsanalysen ziehen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Tagung, und an dieser Diskussion beteiligten sich Forscher und Forscherinnen verschiedener Richtungen der linguistischen Gesprächsforschung (Konversationsanalyse, Diskursanalyse) auf der einen und Expertinnen und Experten aus medizinischen und therapeutischen Disziplinen (Epileptologie, Psychosomatik, Schmerzforschung, Psychotherapie) auf der anderen Seite. Gearbeitet wurde am Beispiel der Krankheitsbilder Epilepsie, dissoziative Störungen und chronische Schmerzerkrankung. Die gemeinsame Analyse von Gesprächstranskripten bildete einen Schwerpunkt der Tagung: in interdisziplinären Kleingruppen wurde jeweils ein Transkript eines Anamnesegesprächs mit Patientinnen und Patienten der genannten Krankheitsgruppen diskutiert. Ergänzend dazu erfolgte im Plenum eine Auswertung unter gesprächsanalytischen, differentialdiagnostischen, psychodynamischen oder psychotherapeutischen Gesichtspunkten. Gerahmt wurden diese Arbeitseinheiten von Grundlagenvorträgen, in denen Ansätze zur Verbindung von sprachanalytischer Betrachtung und klinischer Auswertung sowie damit verbundene methodologische Fragen zur Diskussion gestellt wurden. Die Arbeitsgemeinschaft gelangte nach anfangs sehr unterschiedlichen Ansätzen der beteiligten Disziplinen zunehmend zu konvergenten Beschreibungen und Interpretationen. Die gegenseitige Sensibilisierung für das alltägliche Handwerkszeug "Sprache" einerseits und für die Relevanz der Analyseergebnisse im medizinischen Kontext andererseits ist ein wichtiges Ergebnis dieses Workshops.
Im Rahmen der Tagung wurde auch eine Ausstellung von Bildern, Zeichnungen und Skulpturen eröffnet, in denen epilepsiekranke Künstler und Laien ihre Erfahrungen und ihren Umgang mit der Krankheit darstellten.

Teilnehmende Jörg R. Bergmann (Gießen), Karin Birkner (Freiburg i. Br.), Hans Boesch (Kirchlengern), Brigitte Boothe (Zürich), Gisela Brünner (Dortmund), Michael B. Buchholz (Göttingen), Ulrich Dausendschön-Gay (Bielefeld), Arnulf Deppermann (Frankfurt am Main), Martina Drescher (Bayreuth), Annegret Eckhard-Henn (Mainz), Ricarda Elgeti (Hannover), Reinhard Fiehler (Mannheim), Nora Füratsch (Bielefeld), Ingrid Furchner (Bielefeld), Daniela Giuccioli (Bielefeld), Jutta Gutwinski-Jeggle (Tübingen), Heiko Hausendorf (Dortmund), Peter Henningsen (Heidelberg), Dieter Janz (Berlin), Ursula Jaschke (Aachen), Werner Kallmeyer (Mannheim), Walther Kindt (Bielefeld), Martin Konitzer (Hannover), Ulrich Krafft (Bielefeld), Mechthilde Kütemeyer (Köln), Johanna Lalouschek (Wien), Gabriele Lucius-Hoene (Freiburg i. Br.), Dieter Metzing (Bielefeld), Lorenza Mondada (Basel), Fabian Overlach (Freiburg i. Br.), Uta Quasthoff (Dortmund), Angelika Redder (München), Jochen Rehbein (Hamburg), Wiebke Schemm (Erlangen), Meike Schwabe (Bielefeld), Thomas Spranz-Fogasy (Mannheim), Ulrich Streeck (Rosdorf bei Göttingen), Ruprecht Thorbecke (Bielefeld), Nicolas Tsapos (Bielefeld), Peter Wolf (Bielefeld)



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