Center for Interdisziplinary Research
 
 

Der Neukantianismus und seine Anwendung in der Rechtsphilosophie

Termin: 27. - 29. November
Leitung: Stanley L. Paulson (Kiel), Robert Alexy (Kiel), Lukas H. Meyer (Bremen) und Gerhard Sprenger (Bielefeld)

Die Tagung, die das Ziel hatte, Gemeinsamkeiten in den unterschiedlichen Erscheinungsformen des Neukantianismus herauszuarbeiten und die Auswirkungen dieser Ansätze insbesondere in der Rechtsphilosophie deutlich zu machen, hat zu zweierlei Erkenntnissen geführt. Zunächst einmal hat sich gezeigt, dass die Frage nach der Genese und der Geltung von Erkenntnis überhaupt, die vor hundert Jahren zum Rückgang auf Kant und über ihn hinaus zur Entwicklung einer Theorie der Erzeugungen des Geistes (Kultur) geführt hatte, keineswegs schon abschließend beantwortet ist. Die philosophische Schule des Neukantianismus, die um 1900 fast alle Universitäten beherrschte, hat sich entgegen einer ihr in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts prophezeiten Kurzlebigkeit nicht nur gehalten, sondern erheblich weiterentwickelt. Verstand sie sich seinerzeit als Gegenwendung zum naturalistischen und materialistischen Selbstverständnis der im 19. Jahrhundert emporgekommenen Naturwissenschaften, so bildet deren inzwischen etablierte Erkenntnismethode in den Bemühungen um rationale Bestimmbarkeit nach wie vor eine ernsthafte Herausforderung für eine philosophisch-geisteswissenschaftliche Gesamtorientierung. Bei aller Differenzierung der auf die Ausgangssituation bezogenen Denkansätze haben sich im Lauf der Entwicklung dabei deutlicher als zuvor Gemeinsamkeiten ergeben.
Dies ist das eine, das in der Tagung hervortrat. Eng damit zusammen hängt ein anderes, das in den Diskussionen deutlich wurde: die Aktualität des Neukantianismus in der Rechtsphilosophie. Für die Frage nach Wesen und Struktur von Normativität bilden die vor-gedachten neukantianischen Ansätze so etwas wie eine Plattform, von der aus eine durch aktuelle Probleme notwendig gewordenen Neubesinnung auf das Recht erfolgen kann. Neben den übergreifenden Darstellungen zum Proprium des Neukantianismus und zur Rezeption Kants in der Rechtswissenschaft überhaupt sowie den Referaten, die sich auf das Methodische und das Begriffliche konzentrierten, bildeten Kelsens Reine Rechtslehre und vor allem die südwestdeutsche Schule und ihr Einfluss auf die Rechtsphilosophie des 20. Jahrhunderts, sowohl historisch als auch unter dem Aspekt einer systematischen Verortung, den Schwerpunkt der Diskussion.
Es ist eine Veröffentlichung der Ergebnisse der Tagung in einem Band der Reihe Interdisziplinäre Studien zu Staat und Recht geplant.

Teilnehmende
Knut Amelung (Dresden), Nicoletta Bersier (Genf), Eike Bohlken (Hamburg), Wolfgang Carl (Göttingen), Geert Edel (Bonn), Massimo Ferrari (L’Aquila), Carsten Heidemann (Kiel), Hans-Klaus Keul (Münsingen), Christian Krijnen (Mannheim), Andreas Küker (Trier), Karl-Heinz Lembeck (Würzburg), Wolfgang Marx (Bonn), Thomas Mertens (Nijmegen), Georg Mohr (Bremen), Stephen Nachtsheim (Aachen), Hans-Ludwig Ollig (Frankfurt am Main), Joachim Renzikowski (Halle an der Saale), Julian Rivers (Bristol), Joachim Rückert (Frankfurt am Main), Yumi Saito (Marburg), Hans Jörg Sandkühler (Bremen), Wolfgang K. Schulz (Tübingen), Jürgen Stolzenberg (Halle an der Saale), Friedrich Vollhardt (Gießen), Manfred Walther (Hannover), Kurt Walter Zeidler (Wien)



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