Center for Interdisziplinary Research
 
 

Religionspolitik und Zivilreligion

Termin: 30. November - 2. Dezember
Leitung: Rolf Schieder (Landau in der Pfalz)

Der Religionsbegriff zieht mittlerweile nicht mehr allein das Interesse von Religionswissenschaftlern und Theologen auf sich. In der ZiF:Arbeitsgemeinschaft "Religionspolitik und Zivilreligion" trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der Disziplinen Politologie und Geschichtswissenschaft, Rechtswissenschaft und Philosophie, Soziologie und Theologie, um die Erklärungsleistung des Zivilreligionsbegriffs zu evaluieren. Die aktuellen religionspolitischen Debatten sowohl im Bildungsbereich wie auf europapolitischer Ebene bildeten den Resonanzboden für unterschiedliche Konzeptionen des Begriffs Zivilreligion, wie er von Robert N. Bellah in den späten sechziger Jahren entwickelt worden war.
Die Frage, ob man Zivilreligion eher als marginalen christlichen Restbestand der gegenwärtigen politischen Kultur zu betrachten habe oder als einen nach wie vor relevanten religiösen Faktor beim Aufbau einer "europäischen Werteordnung", blieb in der Arbeitsgemeinschaft umstritten. Der Blick in verschiedene europäische Nachbarländer wie auch die Debatten im Zusammenhang mit einem europäischen Religionsrecht machten aber deutlich, daß Religionspolitik ohne religionstheoretische Annahmen nicht auskommen kann, die ihrerseits auf ihre religiös-weltanschauliche Herkunft hin befragt werden können. Auch die zunehmende rituelle Inszenierung des Politischen in der Mediengesellschaft wurde als religionspolitisch relevante Entwicklung markiert. Angesichts der Pluralisierung des religiösen Feldes nicht zuletzt durch anhaltende Migration führte zu der Frage, ob die Zivilisierung von Religionskonflikten durch Zivilreligion gelingen könne. Die Bedeutung der positiven Religionen für einen zivilreligiösen Konsens wurde herausgearbeitet.
Die Arbeitsgemeinschaft verstand sich als Beitrag zur Entwicklung einer "kritischen Theorie der Zivilreligion" in interdisziplinärer Perspektive.

Teilnehmende
Wolf D. Aries (Gütersloh), Claus E. Bärsch (Duisburg), Michael Droege (Bielefeld), Sabine A. Haring (Graz), Winnie Heescher (Münster), Hans Michael Heinig (Hagen), Eilert Herms (Tübingen), Matthias Hildebrandt (Erlangen), Heinz Kleger (Potsdam), Hermann Lübbe (Zürich), Alois Müller (Küsnacht), Marion Müller (Hamburg), Burkhard Reichert (Berlin), Stefanie Schalck (Landau in der Pfalz), Gerhard Sprenger (Bielefeld), Tine Stein (Berlin), Werner Suppanz (Graz), Wolfgang Vögele (Rehburg-Loccum), Georg Wenz (Landau in der Pfalz), Aliyeh Yegane Arani (Berlin)



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