Center for Interdisziplinary Research
 
 

Migration und kultureller Pluralismus

Termin: 25. - 26. Mai 2001
Leitung: Anton Escher (Mainz)

Die Tagung mit dem Rahmenthema "Migration und kultureller Pluralismus" diente dazu, das Konzept für einen Antrag auf eine Forschungsgruppe im ZiF zu diskutieren und zu fokussieren. Beteiligt waren insgesamt 15 Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftler/innen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit ihren Partnern aus Israel, England, USA, Brasilien und der Karibik.
In der angenehmen Atmosphäre des ZiF wurden die übergreifende Konzeptualisierung und die einzelnen vorgesehenen empirischen Feldstudien des beabsichtigten Projektes besprochen. Die Diskussion über die vielfältigen Formen der Arbeitsmigration, Flucht, Vertreibung und Verschleppung ging bald über die negativen Aspekte des Prozesses hinaus und stellte zunehmend die positiven Elemente von Migration, die zahlreichen neu entstandenen hybriden Kulturen in den Mittelpunkt.
Unabhängig von der Qualität der Wanderung haben die sich durch Migration begegnenden Gesellschaften im gegenseitigen Kontakt kulturelle Leistungen erzielt und neue Kulturen hervorgebracht oder ihre eigene Kultur durch die erzwungene Auseinandersetzung mit der anderen Kultur verändert, d. h. Kultur verhandelt. Dabei, so wurde im Verlauf der Diskussion deutlich, sind die kulturellen Leistungen immer eingebettet in die Entstehung interkultureller Kommunikation und getragen von der Praxis interkultureller Kommunikation.
Die Diskussionsrunde einigte sich darauf, das beabsichtigte Projekt und den Antrag auf eine ZiF:Forschungsgruppe unter den Titel Migration as Cultural Achievement: The Making of Intercultural Communication zu stellen.
Die Forschungsgruppe will sich im Projekt mit empirisch fassbarer Migration von Individuen und Gruppen sowie deren kulturellen Leistungen in der Gastgesellschaft auseinandersetzen. Dabei sollen aber nicht nur die Institutionen und die Strategien der Migranten, sondern auch die Reaktionen und Einrichtungen der Gastgesellschaft als kulturelle Leistung diskutiert werden. Einen regionalen Schwerpunkt soll die Neue Welt, und zwar sowohl Nord- wie Südamerika einschließlich der Karibik bilden. Die Forschungsgruppe will sich in diesen Ländern vornehmlich mit den kulturellen Ergebnissen des Sklavenhandels, der kulturellen Leistung deutsch-jüdischer Intellektueller, der kulturellen Produktion farbiger Juden und der kulturellen Abgrenzung arabischer Bevölkerungsgruppen befassen. Diese empirischen Arbeiten sollen eine gegenstandsbezogene Theoriebildung zum Thema "Migration als kulturelle Leistung: Genese und Praxis interkultureller Kommunikation" ermöglichen. Dabei sollen auf unterschiedlichen Ebenen die Konzepte dynamic identity und cultural points of the movements of cultures als verbindende theoretische Folien im Mittelpunkt stehen.



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