Center for Interdisziplinary Research
 
 

Humanitarian Interventions / Ethics

Termin: 9. - 12. Januar
Leitung: Prof. G. Meggle (Leipzig)

Was den circa 37.000 Luftschlägen der NATO gegen Serbien im Frühjahr 1999 in den meisten NATO-Ländern breite Zustimmung verschaffte, war deren schon allein mit ihrer Benennung zum Ausdruck gebrachte (echte bzw. angebliche) Zielsetzung: Das Ganze war, so hieß es, kein Krieg; es war eine humanitäre Intervention. Als Problem wurde allenfalls das fehlende Mandat durch die UN angesehen. Doch sogar diesen Mangel hefteten sich die dezidiertesten Interventions-Proponenten auf die eigenen Fahnen: als überfälligen Sieg der Moral (der Menschenrechte) über das bloße (Völker-) Recht. So die eine Seite.
Andere sehen diese NATO-Intervention anders: als Rückfall in die ab dem Westfälischen Frieden von 1648 zwar nie wirklich vermiedene (im Gegenteil: gerade im 20 Jahrhundert ins Extrem gesteigerte), aber zumindest von den sogenannten zivilisierten Staaten seitdem immerhin doch zu vermeiden versuchte (vor-völkerrechtliche) Barbarei.
Was geht das die Ethik an?
Es gibt wenige Fälle, an denen sich die praktische Relevanz der Ethik (als gleichermaßen grundlagen-theoretisch wie kritisch-applikativ interessierter philosophischer Disziplin) deutlicher zeigen würde. Die Moral ist der wesentlichste Teil, sozusagen die fast alles entscheidende Software unserer Kriegsentscheidungen bzw. Propagierungen.
Der Kosovo-Krieg ist für die ZiF: Arbeitsgemeinschaft zwar der konkrete Anlass. Aber die von diesem Krieg (und dessen Rechtfertigungen) aufgeworfenen Fragen sind viel allgemeiner:
* Was macht eine Intervention zu einer humanitären?
* Was sind die moralischen Bewertungskriterien für eine solche Intervention?
* Welche Kraft haben diese moralischen Kriterien im Vergleich mit den einschlägigen völkerrechtlichen Regelungen / Erwägungen?
* Was sind die speziellen moralischen Probleme humanitärer Interventionen – verglichen mit den gängigen Problemen zwischenstaatlichen Gewaltgebrauchs?
* War der Krieg der NATO gegen Jugoslawien eine humanitäre Intervention?
* Waren die moralischen Legitimierungskriterien für humanitäre Interventionen im Fall des Kosovo-Kriegs erfüllt?
* Und welche moralische Lehre ziehen wir aus dem Kosovo-Krieg heute?
Es geht auf der Konferenz primär um ethische Probleme. Von ihrem Schwerpunkt her ist diese Tagung keine juristische, vielmehr eine philosophische. Die einschlägigen Fachgebiete gehören zur (Rechts-)Philosophie der internationalen Politik, zur Menschenrechts-Philosophie bzw. zur Ethik, der theoretischen wie der angewandten. Völkerrechtliche Fragen stehen nur insofern zur Debatte, als diese für die ethischen Problemstellungen und Lösungen relevant sind.



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