Center for Interdisziplinary Research
 
 

SocioPhysics

Termin: 6. - 9. Juni
Leitung: Frank Schweitzer (St. Augustin) und KLaus G. Troitzsch (Koblenz)

Das Ziel der internationalen Tagung SocioPhysics bestand darin, einen Überblick über unterschiedliche Ansätze zur quantitativen Modellierung und Computersimulation sozialer Systeme zu geben, die innerhalb der Physik und den Sozialwissenschaften entwickelt wurden. Die Tagung nahm damit Bezug auf eine internationale Wissenschaftsentwicklung, in der Sozialwissenschaften, Informatik und Naturwissenschaften neue Verbindungen eingehen - Econophysics, Socionics, Computational Economics sind nur einige Beispiele. Auch die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) hat inzwischen einen Arbeitskreis "Physik sozio-ökonomischer Systeme" (AKSOE) gegründet.
Das große internationale Interesse an SocioPhysics bewiesen die Tagungsanmeldungen aus 18 verschiedenen Ländern, darunter auch die USA und Brasilien. Den fast 70 Tagungsteilnehmerinnen und Teilnehmern aus sehr verschiedenen Fachgebieten (Physik, Mathematik, Soziologie, Informatik, Demographie, Philosophie, Politologie, Wirtschaftswissenschaften) wurde in 27 Vorträgen und 17 Postern ein breites Spektrum von SocioPhysics-Konzepten vorgestellt, deren Anwendungsbereiche z. B. Entscheidungsprozesse und Wahlverhalten, kollektive Meinungsbildung, Herausbildung von Kooperation und von sozialen Netzwerken umfassen.
Breiten Raum nahmen die zum Teil kontroversen, aber auch konstruktiven Diskussionen ein, ob und in welchem Maße physikalische Methoden zur Beschreibung sozialer Systeme anwendbar sind. Dabei wurde deutlich, dass es keineswegs um eine simple Übertragung physikalischer Konzepte, sondern um ein genaues Verständnis der damit verbundenen Reduktionen geht. Wie die verschiedenen Beispiele in den Vorträgen und Postern gezeigt haben, modelliert SocioPhysics weniger die sozialen Akteure mit ihrer vielschichtigen Weltsicht als vielmehr die Dynamik ihrer kollektiven Interaktion, wobei Analogien zu physikalischen Vielteilchensystemen eine tragende Rolle spielen. Damit kommt der Frage nach der "angemessenen" Abstraktion sozialer Prozesse und den Grenzen der Interpretation der Resultate eine besondere Bedeutung zu, die nur im interdisziplinären Diskurs geklärt werden kann.
Am Schluss waren sich die Teilnehmer darüber einig, dass die Tagung einen wichtigen Beitrag geleistet hat, um die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen einer physikalischen Modellierung sozialer Prozesse zu umreißen. Die fachübergreifenden Diskussionen und die lebendige Atmosphäre während der vier Tage wurden dabei besonders lobend hervorgehoben. Die wissenschaftlichen Leiter der AG SocioPhysics möchten sich beim ZiF sehr herzlich für die finanzielle und organisatorische Unterstützung bei der Durchführung der Tagung bedanken.



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